Bis zum Jahreswechsel 2021/2022 steigen die Gaspreise spürbar an und viele Hausbesitzer zahlen über 200 Euro mehr – auch wenn sich ihr Verbrauch nicht ändert. Grund dafür ist unter anderem die CO2-Abgabe, die den fossilen Rohstoff seit Januar um etwa 0,5 Cent pro Kilowattstunde verteuert. Preissteigernd wirken außerdem deutlich höhere Großhandelspreise. Wer in Zukunft sparen möchte, sollte über den Einsatz regenerativer Energien nachdenken. Lesen Sie mehr über die Hintergründe bei Effizienzhaus-online.

 

Aktueller Gaspreis – leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr

Nachdem der Gaspreis 2018 mit 5,63 Cent pro kWh den tiefsten Wert der vergangenen Jahre erreichte, stieg er bis zum Jahr 2019 leicht an. Anfang 2020 sank der Großhandelspreis, was auch Verbraucher dankend zu spüren bekamen. Nachdem sich der Gaspreis auf dem Weltmarkt auf einem höheren Niveau eingependelt hat, stiegen bis zum Herbst 2021 auch die Verbraucherpreise wieder an. Aktuell liegen diese bei etwa 7,01 Cent pro Kilowattstunde, und damit noch einmal deutlich höher als im September, wie die folgende Grafik zeigt:

Brennstoffkosten in Deutschland

Quelle: https://www.depi.de

 

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Für den Verbraucher ist der Gaspreis einfach die Summe, die am Ende des Abrechnungszeitraums berechnet wird. Doch diese hat verschiedene Anteile, deren Zusammensetzung je nach Gastarif unterschiedlich sein kann. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick inkl. Beispielrechnung:

Bestandteile des Gaspreises Anteil in Prozent

Anteil in Euro

(bei 7,01 Ct/kWh)

Gasbeschaffung & Vertrieb 41 % 2,87 Ct/kWh
Netzentgelte

(inkl. Messung, Abrechnung und Messstellenbetrieb)

27 % 1,89 Ct/kWh
Steuern und Abgaben 25 % 1,75 Ct/kWh
CO2-Preis 7 % 0,50 Ct/kWh

Quelle: BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V

Zuletzt ergaben sich gleich in drei Preisbestandteilen wesentliche Veränderungen, die zu einem explodierenden Gaspreis führten. Denn neben der Einführung der CO2-Abgabe wurden auch die Netzentgelte in vielen Bereichen erhöht. Hinzu kam ein drastischer Anstieg der Großhandelspreise für Erdgas, den viele Kunden allerdings erst in der nächsten Abrechnungsperiode zu spüren bekommen werden.

 

CO2-Bepreisung verteuert den Gaspreis 2021

Ab dem Abrechnungsjahr 2021 müssen viele Hausbesitzer durch die sogenannte CO2-Steuer mehr für Gas bezahlen. Diese hat die Bundesregierung als Teil des Klimapakets eingeführt, um die Kosten der schädlichen Klimaauswirkungen im Gaspreis zu berücksichtigen. Die Abgabe ist von den CO2-Emissionen abhängig und beträgt 2021 25 Euro pro Tonne CO2. Bis 2025 steigt sie auf 55 Euro an, bevor die Bundesregierung für 2026 einen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro vorgibt. Der Gaspreis steigt allein dadurch um 0,50 bis 1,2 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2026. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich das auf die Heizkosten eines Einfamilienhauses auswirkt.

Jahr CO2-Steuer

(in Euro pro Tonne)

CO2-Steuer

(in Euro pro kWh)

Zusätzliche Heizkosten

(bei 20.000 kWh/a)

2021 25 €/to CO2 0,50 Ct/kWh 100 Euro pro Jahr
2022 30 €/to CO2 0,55 Ct/kWh 110 Euro pro Jahr
2023 35 €/to CO2 0,64 Ct/kWh 128 Euro pro Jahr
2024 45 €/to CO2 0,82 Ct/kWh 164 Euro pro Jahr
2025 55 €/to CO2 1,00 Ct/kWh 200 Euro pro Jahr

 

Die Mehrkosten für Hausbesitzer mit einem jährlichen Energieverbrauch von rund 20.000 Kilowattstunde belaufen sich dabei auf etwa 100 bis 200 Euro im Jahr.

 

Höhere Netzentgelte führen zu steigenden Gaspreisen

Preistreibend wirken 2021 auch die Netzentgelte. Denn die Gebühren, die Gasnetzbetreiber für Wartungs- und Ausbauarbeiten am Gasnetz erheben, stiegen im Durchschnitt um 2 Prozent an. Am stärksten betroffen sind Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern: Hier stiegen die Abgaben 2021 um satte 14 Prozent an. In Bayern, Hamburg, dem Saarland und Sachsen-Anhalt fielen die Bestandteile des Gaspreises hingegen leicht, wie die folgende Infografik zeigt.

Netznutzungsentgelte Gas in Deutschland

Quelle: CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH / Get AG 

 

Großhandelspreise erreichen neue Höchststände

Sorgten sinkende Großhandelspreise bis Mitte 2020 noch für Entspannung am Gasmarkt, drehte sich der Kurs zum Jahresende um. Die Preise haben sich bis zum Herbst 2021 teilweise verdreifacht, was einige Gasanbieter bereits in die Insolvenz getrieben hat. Ein Grund für den starken Anstieg ist der konjunkturelle Aufschwung nach Corona. Vor allem die Wirtschaft benötigt vielerorts wieder mehr Gas und die Nachfrage steigt.

Viele Energieversorger, deren Reserven durch den langen Winter 2020/2021 bereits angegriffen waren, haben das nicht kommen sehen. Sie haben Verträge am Terminmarkt zu knapp geschlossen und sind damit auf Erdgas-Zukäufe vom teureren Spot-Markt angewiesen. Die schlechten Konditionen geben sie dabei an ihre Kunden weiter. Während einige Versorger bereits jetzt Preiserhöhungen angekündigt haben, werden viele andere diesem Trend zur nächsten Abrechnungsperiode folgen.

 

Erdgas im Preisvergleich: Wechsel prüfen

Die Gastarife, unter denen Kunden wählen können, zeigen eine sehr große Preisspanne. Bei Grundversorgern sind die Preise für Erdgas dabei meist deutlich höher als bei alternativen Anbietern, sodass Hausbesitzer bei einem Wechsel oft mehrere Hundert Euro im Jahr sparen können. Neben günstigen Tarifen profitieren Verbraucher dabei vor allem auch von hohen Bonuszahlungen. Diese gibt es in der Regel jedoch nur im ersten Jahr nach der Umstellung des Gasanbieters. Der drastische Anstieg der Großhandelspreise und die knappen Gasvorräte sorgen aktuell allerdings dafür, dass erste Gasversorger keine neuen Verträge abschließen. Anders als noch vor einigen Monaten ist ein Wechsel daher nicht immer ohne Weiteres möglich.

 

Sparen durch Heizungstausch mit erneuerbaren Energien

Langfristig sparen können Sie auch mit einem Heizungstausch. Denn moderne Brennwertheizungen nutzen die eingesetzte Energie besser aus. Sie verbrauchen weniger und sorgen für sinkende Heizkosten. Noch höher ist der Preisvorteil, wenn Sie auch erneuerbare Energien einbinden. Kommt bei der Sanierung auch eine Solaranlage, eine Holzheizung oder eine Wärmepumpe ins Haus, übernimmt der Staat außerdem 30 bis 55 Prozent der anfallenden Kosten mit der hohen Förderung der Heizung. Sie machen sich unabhängig von fossilen Energieträgern und bekommen die Preisentwicklungen weniger zu spüren.

 

Auch einfache Tipps helfen beim Energiesparen

Eine größere Unabhängigkeit von steigenden Gaspreisen bekommen Verbraucher auch mit einfachen Spartipps. Unsere Top 10:

  1. Effektiv lüften: Drei bis viermal täglich richtig lüften, alle Fenster öffnen und dabei die Heizkörper abdrehen. Das sorgt für gute Luft, ohne zu viel Energie zu
  2. Heizkörper freihalten: Möbel oder Vorhänge vor dem Heizkörper verhindern, dass Wärme im Wohnbereich ankommt. Halten Sie die Heizflächen frei, profitieren Sie bei geringeren Kosten von mehr Komfort.
  3. Raumtemperatur einstellen: Ein Grad weniger lässt die Heizkosten im Bestand um durchschnittlich sechs Prozent sinken. Die optimalen Raumtemperaturen hängen von der Raumnutzung ab und liegen zwischen 16 und 24 Grad Celsius.
  4. Heizung abdrehen: Drehen Sie die Heizung in ungenutzten Räumen herunter, um keine Energie zu verschwenden. Am besten funktioniert das, wenn die Türen zu diesen Räumen geschlossen bleiben.
  5. Heizkörper entlüften: Luft im Heizkörper stört die Wärmeabgabe und sorgt für hohe Heizkosten, ohne Wärme abzubekommen. Das regelmäßige Entlüften der Heizkörper beugt dem vor.
  6. Heizungsrohre dämmen: In kalten Kellern wirken ungedämmte Heizungsrohre wie Heizkörper. Die Dämmung der Rohrleitungen ist günstig und mit hohen Einsparungen verbunden.
  7. Heizung steuern: Eine digitale Heizungssteuerung lernt Haus oder Wohnung kennen und steuert die Wärmeabgabe so, dass es immer warm genug ist. Dabei achtet sie auf einen geringen Verbrauch, um Heizkosten zu sparen.
  8. Kellerdecke dämmen: Über den unbeheizten Keller geht viel Wärme verloren und die Böden im Erdgeschoss sind kalt. Abhilfe schafft eine Kellerdeckendämmung.
  9. Rollladenkästen dämmen: Auch die Kästen alter Rollläden lassen viel Energie verschw Die Dämmung der Rollladenkästen hilft, das zu verhindern und Heizkosten zu sparen.
  10. Fenster abdichten: Mit der Zeit verlieren Dichtungen an Fenstern und Türen ihre Wirkung. Sie lassen viel kalte Luft herein, führen zu Zugerscheinungen und steigenden Heizkosten. Abhilfe sorgt das Abdichten oder Austauschen der Fenster.

Die folgende Infografik zeigt die wichtigsten Spartipps auf einen Blick:

10 Tipps um CO2 einzusparen

Unser Tipp: Sonderkündigungsrecht nutzen

Heben Versorger die Gaspreise an, haben Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Wir empfehlen, dieses zu nutzen und, wenn möglich, den Gastarif zu wechseln. Möchten Sie langfristig sparen, sollten Sie sich günstige Angebote mit Preisgarantien sichern. Bekommen Sie aktuell eher schlechte Konditionen, bleiben Sie mit kurzen Vertragslaufzeiten flexibel.

 

Wie läuft der Wechsel zu einem neuen Gasanbieter ab?

Der Wechsel des Gasanbieters läuft ähnlich ab, wie der Stromanbieterwechsel. Mehrere Vergleichsportale stehen Ihnen online zur Verfügung. Deren Nutzung ist allerdings oft nicht ganz so simpel, wie gern versprochen wird. Vor Vertragsabschluss ist es wichtig, das Kleingedruckte zu lesen. Neben dem Verbrauchspreis spielen auch die Laufzeit, die Kundenfreundlichkeit und die Preisgarantie eine wichtige Rolle. Die Verbraucherzentralen sind immer ein guter Ausgangspunkt für fundierte Informationen.

 

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