Die Energieeinsparpotenziale sind bei alten Häusern oft enorm. Vor dem Sparen steht allerdings die energetische Sanierung, die oft aus mehreren Einzelmaßnahmen besteht. Viele Hausbesitzer sind unsicher, ob sie Zug um Zug sanieren können oder eine komplette Sanierung sinnvoller ist und was dabei die effektivste Maßnahme ist.

Keine Frage: Mit einer neuen Heizung, Fassadendämmung, Kellerdämmung, Dachdämmung und neuen Fenstern lässt sich der durchschnittliche Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent senken. Doch mit was soll man beginnen, wenn das Budget eine Komplettsanierung nicht zulässt? Hier kommt es auf das Alter des Gebäudes an, denn bei Häusern, die nach 1984 gebaut wurden, entsprechen Gebäudehülle, Fenster und Dach einem energetischen Mindestniveau, so dass hier der Heizungstausch die effektivste Maßnahme darstellt. In alten Gebäuden hingegen, also Gebäuden vor 1984, sollten alle Maßnahmen betrachtet werden.

In vielen Fällen sollten zunächst Fenster, Dach und Gebäudehülle auf den neuesten Standard gebracht, dann sollte die Heizung ausgetauscht werden. Diese Reihenfolge ist deshalb sinnvoll, weil sich der Heizwärmebedarf des Hauses durch neue Fenster und die verbesserte Dämmung reduziert. Wenn zunächst der Heizkessel ausgetauscht und erst später das Haus gedämmt wird, ist der Kessel schnell zu groß ausgelegt und die Einsparpotenziale können nicht voll ausgeschöpft werden.

Bei Altbauten mit Baujahr vor 1984 gilt also: Am besten komplett sanieren, erst die Dämmung und dann die Heizung. Bei Häusern jüngeren Baujahres bringt der Heizungstausch schnell und vergleichsweise preiswert die höchste Einsparung.

 

Modernisierung der Heizung bringt die höchste Kostenersparnis

Können aus Budgetgründen nicht alle Maßnahmen zeitnah zueinander durchgeführt werden, ist die Heizungsmodernisierung zu empfehlen. Der Einbau einer neuen Heizung rechnet sich schnell. Der Kauf eines neuen Heizkessels mit Brennwerttechnik kostet zwischen 4000 und 6500 EUR, spart aber jedes Jahr mehrere hundert Euro Heizkosten. Die Anschaffung amortisiert sich in wenigen Jahren. Heutige Brennwertkessel sind kompakt und hocheffizient. Sie regeln sich zumeist nach der Außentemperatur, arbeiten bei 35 bis 55 Grad Celsius Kesseltemperatur und nutzen die im Abgas enthaltene Energie. Eine leichte Überdimensionierung ist bei modernen Brennwertgeräten wenig problematisch. Im Übrigen werden ohnehin Kesselleistungen zwischen 11 und 18 kW für den Komfort bei der Warmwasserbereitung gebraucht.

Die Frage nach der richtigen Reihenfolge der einzelnen Sanierungsmaßnahmen entscheidet also zum einen das Baualter, zum anderen der Geldbeutel des Hausbesitzers: Wenn die Heizung kaputt geht, wird der Heizkessel erneuert und wenn ein Bauteil instand gesetzt werden muss, verbessert man dessen Wärmeschutz. Nach einer Dämmung von Dach oder Fassade wird ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage empfohlen. Dabei werden die verschiedenen Komponenten der Heizanlage, wie Heizungspumpe und Vorlauftemperaturen, auf den neuen Heizenergiebedarf nach der Sanierung angepasst. Das senkt den Energieverbrauch.

 

 

Beeinflussen gesetzliche Vorgaben die Reihenfolge bei der Sanierung?

Hausbesitzer müssen die Vorschriften des Gebäudeenergiegesetz (GEG – früher EnEV) beachten, die Mindeststandards für die energetische Sanierung vorschreibt, sobald 10 Prozent des Bauteils saniert werden. Ebenfalls sind im GEG Nachrüstpflichten geregelt für die Dachbodendämmung und die Dämmung von Rohrleitungen. Eine Austauschpflicht besteht auch für alte Heizkessel, die vor 30 Jahren eingebaut wurden. Ausnahmen bestehen für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern, die schon vor dem 01.02.2002 im Haus gewohnt haben. So greift die Sanierungspflicht erst bei Eigentümerwechsel. Die Neueigentümer müssen die Nachrüstungen dann innerhalb von zwei Jahren vornehmen. Diese gesetzlichen Vorgaben haben dann aber auch Priorität in der Reihenfolge der Sanierung.

 

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Foto: Buderus