Brauche ich einen Energieberater für meine Sanierung?

Jeder dritte Hausbesitzer in Deutschland hält sein Haus für renovierungsbedürftig und ist auch bereit, für eine Sanierung Geld auszugeben, so eine aktuelle Marktbefragung der GfK. Bevor Hausbesitzer allerdings die Sanierung angehen, können sie sich über den Sanierungsrechner auf Effizienzhaus-online passende Sanierungsmaßnahmen für Ihr Gebäude vorschlagen lassen, um einen Überblick über die Kosten und den Nutzen der Maßnahmen zu erhalten. Im Anschluss daran kann eine Energieberatung ein sinnvoller Schritt sein. Wie schätzt ein + den Zustand des Hauses ein? Welche Sanierungsmaßnahmen empfiehlt er in welcher Reihenfolge? Die Sanierung eines Hauses ist eine komplexe Angelegenheit, der Energieberater hilft bei der Planung und Kostenanalyse. Das Gespräch mit einem Energieberater sollten sich Hausbesitzer also lieber nicht sparen, es liefert wertvolle Tipps.

 

Fassadendämmung: Ist dicker auch immer besser?

In neun von zwölf Monaten des Jahres haben wir so tiefe Außentemperaturen, dass Häuser auskühlen. Innen 20 Grad Celsius, außen wechselnde Temperaturen – und das bei einer durchschnittlichen Fläche der Fassade von 400 bis 500 Quadratmetern bei einem Einfamilienhaus. Dämmstoffe an der Fassade helfen, den Wärmeabfluss aus dem Haus deutlich zu reduzieren. Mit welcher Dämmstärke wie viel Heizkosten voraussichtlich eingespart werden, kann ein Energieberater für jede Haus errechnen. Grundsätzlich gilt: Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) schreibt bei einer Fassadendämmung (mit Wärmedämm-Verbundsystem) einen maximalen U-Wert von 0,24 W/(m² K) für die Außenwand vor. Dieser wird je nach Wärmeleitgruppe des verwendeten Dämmstoffs schon mit 100 – 120 mm Dämmstärke erreicht, wirtschaftlich sinnvoll können Dämmstärken bis 250 mm sein. Allerdings leidet mit zunehmender Dämmstärke meistens auch das Aussehen des Hauses. Eine Fassadendämmung hat bei fachgerechtem Einbau, je nach Material, eine Lebensdauer von etwa 20 bis 40 Jahren. Deshalb sollte die Dämmstärke gewählt werden, die für diesen Zeitraum wirtschaftlich wie ökologisch gesehen sinnvoll und im Rahmen des Gesamterscheinungsbildes vertretbar erscheint. Grundsätzlich gilt: Mit steigender Dämmdicke werden die Energieeinsparungen immer geringer, d.h. die ersten cm Dämmung bringen am meisten.

 

Dachbodendämmung: Ein Fall für Selbermacher?

Ein ungedämmter Dachboden ist ein wahrer Energiefresser. Das weiß auch der Gesetzgeber und schreibt in der EnEV 2014 in bestimmten Fällen eine Dachbodendämmung vor. Ohne Dämmung wird der ungenutzte Dachraum ständig mit geheizt. Zehn bis 15 Liter teures Heizöl können so pro Quadratmeter Dachbodenfläche und Jahr nahezu ungehindert verpuffen.

 

Rollladenkästen und Heizkörpernischen selbst dämmen?

Kleine Investition, große Wirkung: Die Dämmeigenschaften des Rollladenkastens bei Altbauten gehen nahe Null, weil sich zwischen Innenraum und Außenluft meistens nur eine dünne, ungedämmte Holzplatte befindet. Oft geht auch der Blick durch die obere Führung des Rollladengurtes ungestört ins Freie. Gewaltige Wärmelecks, die einfach und kostengünstig zu beseitigen sind. Spezielle Dämmungen für den Rollladenkasten müssen nur noch zugeschnitten und im Kasten verlegt werden. Im Idealfall wird der Hohlraum des Rollladenkastens an allen fünf Seiten mit geeigneten Dämmstoffen versehen. Auch die Heizkörpernische ist für Wärmeverluste verantwortlich: In älteren Häusern stehen die Heizkörper in einer ungedämmten Nische mit dünnerem Außenmauerwerk. Einfache Abhilfe schafft eine Dämmplatte mit 10 mm Stärke, die hinter dem Heizkörper verklebt wird. Das bringt eine maximale Wärmereflexion in den Innenraum, eine deutlich bessere Wärmedämmung und ein schnelleres Aufheizen der Wohnräume.

 

Zweifach- oder Dreifachverglasung beim Fenstertausch?

Neue Wärmedämmfenster sind um ein Vielfaches besser, als alte, einfachverglaste Fenster oder selbst Isolierfenster der ersten Generation aus der Zeit vor 1995. Damit lässt sich jede Menge Energie einsparen. Eine Zweifachverglasung ist heute Mindeststandard für neue Fenster, der Trend geht hin zur Dreifachverglasung.

 

Neue Haustür: Gründe und Kosten

Beim Sanieren der eigenen vier Wände lohnt es sich immer seine Haustür genau unter die Lupe zu nehmen. Diese ist häufig so alt wie das Haus und entspricht ab einem Alter von 20 Jahren auch nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards. Neben einem Einbruchschutz spielt auch oft die Optik eine große Rolle. Mit hochwertigen Modellen lässt sich auch der Eingang des Eigenheims ansprechend gestalten. Mit einer neuen Haustür sichern Sie sich dann auch einen guten U-Wert und können somit eine Förderung der KfW beantragen.

 

Gilt die Reihenfolge zuerst die Dämmung, dann die Heizung?

Mit einer besseren Dämmung sinkt der Energiebedarf sofort. Wird zuerst die Heizung und Jahre später die Dämmung erneuert, ist die Heizung viel zu groß dimensioniert. Denn in einem nicht gedämmten Haus muss die Vorlauftemperatur immer noch relativ hoch sein. Das bedeutet, dass bestimmte Heizsysteme wie eine Wärmepumpe gar nicht genutzt werden können. Sie setzen eine gute Dämmung der Gebäudehülle voraus. Und selbst die Brennwerttechnik eines neuen Gaskessels lässt sich in einem schlecht isolierten Haus nicht voll ausschöpfen. Deshalb ist es sinnvoll, Dämmung und Heizung immer im Paket zu sehen und die Sanierung parallel anzugehen, vor allem, wenn das Baujahr des Hauses vor 1977 liegt. Ausnahme sind Häuser neueren Baujahres: Dort bringt die Erneuerung der Heizung eine schnelle Energieeinsparung.

 

Ist ein Wärmedämm-Verbundsystem auf Erdölbasis ökologisch sinnvoll?

Es klingt verkehrt: Wir dämmen unsere Häuser mit Dämmstoffen auf Erdölbasis, um Heizöl zu sparen und die Umwelt zu entlasten. Erreichen wir damit nicht genau das Gegenteil? Diese Frage hat das Wuppertal Institut anhand von extrudiertem Polystyrol-Hartschaum (XPS) untersucht. Das Ergebnis: Der Energie- und Ressourcenverbrauch sowie die Umweltbelastung durch die Herstellung fallen kaum ins Gewicht gegenüber der großen Menge eingesparter Heizenergie. Auch andere Studien kommen zu dem Schluss, dass die energetische Amortisationszeit von künstlichen Dämmstoffen maximal zwei Jahre beträgt. Alternative: Naturdämmstoffe sind zum Teil schon nach wenigen Tagen oder Wochen im grünen Bereich. Hinzu kommt, dass sich Polystyrol, der am meisten eingebaute künstliche Dämmstoff bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS), aus diesem Verbund nur sehr schwer trennen und entsorgen lässt. Ein Großteil des beim Bauen eingesetzten Polystyrols wird daher nicht recycelt.

 

Muss ein Haus wirklich luftdicht sein?

Wärme ist heute viel zu kostbar, um sie ungehindert nach draußen entweichen zu lassen. Schon über kleinste undichte Stellen wird die Wärme im Inneren quasi nach außen gezogen. Deshalb ist die Luftdichtheit bei Neubauten und einigen Sanierungsmaßnahmen schon jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Damit die Luftdichtheit allerdings nicht zu Problemen mit Feuchtigkeit, Schimmel oder Hausschwamm führt, muss regelmäßig gelüftet werden, eine Lüftungsanlage tut da gute Dienste.

 

Wofür benötige ich eine Lüftungsanlage?

Für jeden Neubau muss heute ein Lüftungskonzept vorgelegt werden. Bei hochgedämmten Häusern wird deshalb am besten gleich eine Lüftungsanlage mit eingeplant. Die frische Außenluft wird vom Lüftungsgerät angesaugt, gefiltert und erwärmt und strömt in den Zulufträumen gleichmäßig aus (Wohnzimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer). Über Flur und Diele wird die feuchte und verbrauchte Luft zu den Ablufträumen (Küche, Bad, WC) geführt, dort abgesaugt und zum Lüftungsgerät zurückgeführt. 20 bis 30 Kubikmeter frische und saubere Luft pro Stunde braucht ein Mensch, um sich wohl zu fühlen. Eine bedarfsorientierte Lüftungsanlage tauscht die Raumluft etwa alle zwei Stunden komplett aus. Der rechtzeitige Luftwechsel verhindert eine zu hohe CO2-Konzentration in den Räumen, die uns ermüden würde. Auch zu hoher Feuchtigkeit in den Räumen und damit einer möglichen Schimmelbildung wird so optimal vorgebeugt. Bei einer kontrollierten Wohnungslüftung wird auch die Zuluft gefiltert. Wenn weder Staub noch Pollen nach innen gelangen können, werden Allergiker viel weniger belastet. Beim Neubau per Lüftungskonzept die bessere Alternative, empfiehlt sich auch bei einer umfassenden Sanierung der Einbau einer Lüftungsanlage. Sie trägt im Falle einer Wärmerückgewinnung nicht unerheblich zur weiteren Reduzierung der Heizkosten bei.

 

Einsparpotential ermitteln  

Welche Sanierungsmaßnahmen die richtigen für Ihr Gebäude ist finden Sie in unserem Sanierungsrechner. Hier erhalten Sie Kosten, Amortisationszeit und verschiedene Maßnahmen im Überblick.

Finden Sie die passenden Sanierungsmaßnahmen für Ihr Gebäude

 

Quelle: Bosch Thermotechnik GmbH
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