Energieautarkes Haus

Welcher Bauherr und Hausbesitzer träumt nicht davon, ohne externe Energiequellen auszukommen? Sich mit Strom, Heizwärme und Warmwasser ganzjährig kostenlos und emissionsfrei selbst versorgen zu können. Der Schlüssel hierzu ist die geschickte Verknüpfung von Solarthermie und Photovoltaik. Wir zeigen Ihnen, was heute schon auf dem Weg zum energieautarken Haus möglich und finanzierbar ist.

 

Das Ziel gibt der Gesetzgeber vor: Ab 2021 müssen nach der EU-Gebäuderichtlinie Neubauten als „Nahe-Null-Energiehäuser“ gebaut werden. Bis 2050 soll in Deutschland der gesamte Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein. Ehrgeizige Ziele, die nur zu erreichen sind, wenn möglichst viele Häuser Solarwärme und Solarstrom für ihren gesamten Energiebedarf produzieren sowie speichern. Im Gegensatz zu Null-Energiehäusern stellen Plus-Energie-Häuser zusätzlich noch Strom für Elektromobilität bereit. Und es gibt sie schon in ganz Deutschland: Etwa 150 bis 200 Häuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Einige Haushersteller bieten heute schon energieautarke Häuser in ihren Verkaufsprospekten an. Aus den Leuchtturmprojekten wird allmählich Serie. Die Nachfrage danach wächst stetig.

 

Ein energieautarkes Haus braucht das richtige Grundstück

Wer die Sonne maximal nutzen möchte, muss ein verschattungsfreies Grundstück suchen, auf dem das Haus nach Süden ausgerichtet werden kann. Auch die in Bebauungsplänen meist vorgeschriebene Dachneigung sollte für ein energieautarkes Haus idealerweise 45 Grad betragen. Das südliche Dach wird dann komplett mit Solarkollektoren und Photovoltaik-Modulen bestückt. Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, lässt sich zumindest eine teilweise Autarkie erreichen.

 

Strom im energieautarken Haus

Der normale Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie beträgt etwa 4.000 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a). Zu viel für die hauseigene Stromerzeugung, die etwa 2.000 kWh/a liefern kann. Es bedarf also eines ausgeklügelten energetischen Konzeptes, um den Stromverbrauch zu senken. Wer energieautark leben möchte, erreicht dies am besten mit energiesparenden Haushaltsgeräten der neuesten Generation. Zusätzlich können Waschmaschine und Geschirrspüler zum Stromsparen an das über Solarwärme erzeugte Warmwasser angeschlossen werden. Auch wird im energieautarken Haus kein Strom in Heizwärme umgewandelt. Das spart zusätzlich. Aber wie lässt sich die gewonnene Energie auch speichern? Leistungsfähige Solarspeicher nehmen die tagsüber gewonnene Energie auf, um sie in den Abendstunden bei höherem Bedarf wieder abzugeben. Ein intelligentes Energiemanagement steuert die Elektrogeräte und reduziert so den Stromverbrauch auf ein Minimum. So bleiben die Bewohner eines energieautarken Hauses bei gemäßigtem Stromverbrauch vollkommen unabhängig von Stromversorgern. Angenehmer Nebeneffekt: Das energieautarke Haus bleibt bei Stromausfall voll in Funktion. Die Herausforderung der Zukunft wird sein, Strom über die Kapazität der Solarspeicher hinaus, etwa im Sommer, langfristig speichern und bei Bedarf in den sonnenarmen Wintermonaten wieder abrufen zu können. Firmen bieten heute beispielsweise schon Verfahren und Produkte an, um überschüssige Energie in Wasserstoff umzuwandeln, in speziellen Speichern zwischenzulagern und bei Bedarf mittels Brennstoffzellen daraus wieder Strom zu produzieren. Auch hier geht es in großen Schritten Richtung Zukunft.

 

Heizen im energieautarken Haus

Im energieautarken Haus ist im Kern des Hauses ein sehr großer, gut gedämmter Wärmespeicher installiert, der die mittels Solarkollektoren gewonnene Wärme möglichst über Wochen und Monate speichern kann. Diese Wärme steht dann für die Warmwasserversorgung und zum Heizen bereit. Den Wärmeverlust gibt der Speicher an die umgebenden Wohnräume ab. Aber reicht das auch für kalte Wintertage oder wenn vier Wochen Schnee auf dem Solardach liegt? Nein, es reicht nicht immer. In kälteren, sonnenarmen Perioden springt ein Stückholz- oder Pelletofen ein, der dann die Eigenversorgung CO2-neutral sicherstellt.

 

Was kostet ein energieautarkes Haus?

Energieautarke Häuser kosten mehr als nach EnEV geplante und gebaute Niedrigenergiehäuser. Schlüsselfertige Varianten sind bei einer Wohnfläche von 130 bis 150 Quadratmetern ab etwa 400.000 Euro zu kaufen. Durch Eigenleistung im Innenausbau können die Kosten weiter gesenkt werden. Die Kosten des ausgefeilten Energiekonzeptes belaufen sich hierbei auf knapp 100.000 Euro und haben sich in weniger als 20 Jahren amortisiert.

 

Klappt Energieautarkie auch bei Altbauten?

Das selbstversorgende Haus lässt sich auch im Gebäudebestand erreichen. Es ist technisch heute schon auf alle Fälle machbar. Bis Ende 2017 soll die wirtschaftliche Machbarkeit in einem Wettbewerb untersucht werden, so der Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung. Aber gerade im Gebäudebestand wird sich nicht jedes Haus aufgrund von Grundstück, Ausrichtung und Beschaffenheit eignen. In vielen Fällen wird nur die Erreichung von Teilautarkie möglich sein. Gut 70 Prozent der Gebäude in Deutschland sind älter als 30 Jahre. Viele entsprechen energetisch nicht einmal den Anforderungen der ersten Wärmeschutzverordnung aus dem Jahr 1976. Wie beim Neubau auch, gilt es auch beim Altbau den Weg zu mehr Energieautarkie konsequent zu beschreiten. Das geht nur über eine optimale Kombination von gedämmter Gebäudehülle sowie modernster Anlagentechnik im Zusammenspiel mit der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien.

 

Einsparpotential ermitteln  

Welche Einsparmöglichkeiten Ihr Haus bietet, erfahren Sie mit wenigen Eingaben in unserem Sanierungsrechner. Hier können Sie den Einspareffekt durch eine neue Heizung, eine Dämmung von Dach oder Fassade oder durch neue Fenster durchspielen. Unser Sanierungsrechner nennt Ihnen die etwaigen Kosten und die Amortisationsdauer. Mit unserer kostenfreien Fördermittelauskunft erfahren Sie, wie der Staat ihren Weg zu mehr Energieautarkie finanziell unterstützt.

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Quelle: Bosch Thermotechnik/ dena/ n-tv.de
Foto: www.das-energieautarke-haus.de