Die Einspeisevergütung für Solarstrom sinkt konstant. Dennoch rechnet sich eine Photovoltaikanlage mehr denn je – und zwar durch Eigenverbrauch. Wenn Sie Ihren Solarstrom selbst nutzen, senken Sie Ihre Stromrechnung und leisten einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. Wie hoch Eigenverbrauch und Einsparung tatsächlich sind und wie Sie sie steigern können, erklärt dieser Ratgeber rund ums Thema Photovoltaik-Eigenverbrauch.

 

Vorteile des Photovoltaik-Eigenverbrauchs
+ Solarstrom ist Ökostrom: positive Klimabilanz durch die Erzeugung von Solarstrom

+ Einnahmen durch die Erträge der Anlage durch die Einspeisevergütung für überschüssigen Strom

+ Strompreisentwicklung

 

Einspeisen oder selbst verbrauchen – was passiert mit dem Solarstrom?

Photovoltaikanlagen erzeugen Solarstrom. Dieser Strom wird 

  • entweder ins öffentliche Netz eingespeist oder
  • im Haushalt verwendet.

 

Was ist die Einspeisevergütung für Solarstrom?

Bei der Einspeisevergütung handelt es sich um eine staatliche Vergütung für das Einspeisen von Solarstrom ins öffentliche Stromnetz. Als Betreiber einer PV-Anlage erhalten Sie pro Kilowattstunde (kWh) eingespeisten Solarstrom eine Vergütung. 

Bis vor wenigen Jahren speisten Photovoltaik-Betreiber den Solarstrom vollständig gegen eine hohe Einspeisevergütung ins öffentliche Netz ein. Diese lag vor zehn Jahren beispielsweise noch bei circa 20 Cent pro kWh und führte so zu einer hohen Rendite. 

Die Einspeisevergütung sinkt jedoch konstant und aktuell ist die Volleinspeisung nicht mehr rentabel. Im Mai 2021 lag die Einspeisevergütung bei 7,69 Cent/kWh bei Anlagen bis 10 kWp. Das deckt über die Laufzeit gerade einmal die Kosten der Photovoltaikanlage.

 

Was versteht man unter Eigenverbrauch von PV-Strom? 

Wird der Solarstrom im eigenen Haus direkt genutzt, spricht man von Eigenverbrauch. 

In der Regel gibt es immer Verbraucher im Haus, die konstant mit Strom versorgt werden müssen, beispielsweise Kühlschrank, Gefrierschrank sowie diverse Geräte im Stand-by-Modus. Aber auch Wärmepumpen oder Wallboxen für Elektroautos sind dankbare Abnehmer für den umweltfreundlichen Strom vom Dach.

Der größte Stromverbrauch herrscht in den Abendstunden, wenn alle Hausbewohner zuhause sind, fernsehen, Wäsche waschen oder kochen. Aus diesem Grund ist ein Solarstromspeicher sinnvoll: er speichert den Solarstrom speichert und stellt ihn zur Verfügung, wenn er gebraucht wird. Kommt es dennoch zu einem Stromüberschuss, kann der restliche Strom problemlos eingespeist werden.

Der Eigenverbrauch ist klar die wirtschaftlich sinnvollste Alternative: während es nur zwischen 7-11 Cent kostet, eine Kilowattstunde Solarstrom zu erzeugen (die „Stromgestehungskosten“), kostet eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz derzeit 31,89 Cent. 

Das bedeutet: Mit jeder selbstgenutzten Kilowattstunde Solarstrom spart man die Differenz zwischen den Stromgestehungskosten und dem Haushaltsstrompreis. Also zwischen 20,89 und 24,89 Cent pro Kilowattstunde!

 

Eigenverbrauch versus Einspeisevergütung – ein Rechenbeispiel

Annahmen für die Beispielrechnungen:

  • Die Photovoltaikanlage erzeugt 3.000 kWh im Jahr.
  • Die Einspeisevergütung bei Anlagen mit 10 kWp liegt bei 7,69 Cent/kWh (Mai 2021). 
  • Der Strompreis für Haushaltsstrom aus dem Netz liegt bei ca. 31,89 Cent/kWh. (Januar 2021)
  • Die Stromgestehungskosten liegen beispielhaft bei 10 Cent
  • Der Eigenverbrauch beträgt 30%

 

Photovoltaik-Eigenverbrauch berechnen:

Einspeisevergütung bei Volleinspeisung: 3.000 kWh x 7,81 = 234,30 Euro

 

Ergebnis bei 30% Eigenverbrauch:

  • 1.000 kWh Eigenverbrauch x 21,89 Differenz Gestehungskosten = 218,90 Euro Stromkostenersparnis,
  • 2.000 kWh Einspeisung x 7,69 Vergütung/kWh = 153,80 Euro für Einspeisevergütung,
  • Ergibt: 218,90 Euro Stromkostenersparnis + 153,80 Euro Einspeisevergütung = 372,70 Euro

Bei einer Volleinspeisung erhielte man 234,30 Euro, während man mit einem soliden Eigenverbrauch bereits 372,70 Euro erhält bzw. einspart.

 

Die Rechnungen lassen folgende Rückschlüsse zu:

  • Die Volleinspeisung ist nicht mehr wirtschaftlich, da die Einspeisevergütung heutzutage nicht einmal die Stromgestehungskosten deckt.
  • Da die Stromgestehungskosten deutlich günstiger sind als der Stromzukauf, rechnet sich der Eigenverbrauch.
  • Je höher der Eigenverbrauch ausfällt, desto rentabler wird die Anlage.

 

Gut zu wissen: Zusätzlich zu den aktuellen Gegebenheiten dürfen zwei Trends nicht außer Acht gelassen werden, die zeigen, dass es zukünftig noch sinnvoller wird, den Eigenverbrauch zu optimieren:

  • Die Einspeisevergütung sinkt kontinuierlich.
  • Die Kosten für zugekauften Strom aus dem Netz steigen tendenziell.

 

Eigenverbrauch bestimmen und berechnen

Zur besseren Einordnung, wie hoch der Nutzen durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage ist, muss man seine Eigenverbrauchsquote kennen. Sie beschreibt, wie viel Kilowattstunden man anteilig selbst nutzt.

Die Eigenverbrauchsquote bei Photovoltaikanlagen ohne Speicher liegt bei 20 bis 30 % des erzeugten Solarstroms. Das liegt daran, dass die Anlage am meisten Strom in den Mittagsstunden erzeugt, sich der Strombedarf in dieser Zeit in der Regel aber in Grenzen hält. Mit einem Solarstromspeicher können Sie die Eigenverbrauchsquote verdoppeln und auf 60% steigern.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (ITW) bietet hierzu einen kostenfreien Unabhängigkeitsrechner an.

Selbst mit einem Solarspeicher schaffen Sie es in der Regel nicht, Ihren kompletten Stromverbrauch durch die Anlage zu decken. Das ist auch gar nicht ratsam, denn dann müssten PV-Anlage und Speicher sehr groß dimensioniert sein und das rechnet sich nicht. Beachten Sie darüber hinaus, dass die Stromgestehungskosten durch einen Speicher deutlich steigen. Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel zu den Stromspeicher Kosten.

Staatliche Förderungen für Photovoltaik reduzieren die Anschaffungskosten und somit die Stromgestehungskosten immens. Informieren Sie sich hier über KfW-Förderprogramme sowie regionale und kommunale Förderungen für Photovoltaikanlagen mit oder ohne Solarstromspeicher.

 

Wie Sie den Eigenverbrauch steigern

Um die Wirtschaftlichkeit Ihrer Photovoltaikanlage zu verbessern, lohnt es sich, den Eigenverbrauch zu optimieren.

  • Stromspeicher integrieren: Kaufen Sie eine PV-Anlage mit Solarspeicher oder rüsten Sie Ihre bestehende Anlage mit einem Speicher nach. Dadurch können Sie den Eigenverbrauch verdoppeln.
  • Nutzerverhalten anpassen: Achten Sie darauf, dass Sie den Strom dann nutzen, wenn Ihre PV-Anlage ihn produziert. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Wäsche mittags und nicht abends gewaschen wird, die Smartphones und andere elektronische Geräte nicht nachts, sondern tagsüber laden etc.
  • Optimale Stromregulierung durch einen Energiemanager: Nutzen Sie ein Energiemanagementsystem zur intelligenten Steuerung Ihrer Geräte. Dieses erkennt, wann Ihre PV-Anlage viel Strom erzeugt, und sorgt dafür, dass sich die Verbraucher, wie zum Beispiel Geschirrspüler, Trockner oder Waschmaschine, genau zu diesem Zeitpunkt einschalten.
  • Kombination mit einer Wärmepumpe: Schaffen Sie ein Hybridsystem, indem Sie Ihre Photovoltaik-Anlage mit einer Wärmepumpe koppeln. Der Strom für die Wärmepumpe wird dann fast vollständig durch die PV-Anlage gedeckt, sodass die Wärmepumpe zum Heizen, Kühlen und zur Warmwasserbereitung genutzt werden kann.
  • Elektroauto fahren: Nutzen Sie den Solarstrom für eine Wallbox und zum Laden Ihres Elektroautos.

 

Quelle: Bosch Thermotechnik GmbH
Foto: Adobe Stock | Franz