Dächer schützen. Sie halten Wind, Regen, Schnee und Eis von uns fern. Das können sie allerdings nur, solange sie keine größeren Dachschäden beeinträchtigt. Als Hausbesitzer sollten Sie deshalb durch vorbeugende Maßnahmen dafür sorgen, dass das Risiko von Dachschäden möglichst gering ist. Natürlich kann es aber trotz aller vorbeugenden Maßnahmen nötig werden, das Dach reparieren zu lassen. Dann ist eine Schadensanalyse wichtig und schnelles Handeln gefragt.

Ein Dachschaden kann bei jeder Dachschicht auftreten

Jedes Dach besteht aus vielen Schichten mit unterschiedlicher Funktion. Ein Dachschaden kann in jeder einzelnen oder in mehreren zugleich auftreten. Der Aufbau eines Steildachs kann beispielsweise so aussehen:

    • Die äußerste Dachschicht ist die Dacheindeckung. Sie besteht meist aus Dachziegeln oder Schieferplatten und liegt auf der Dachlattung aus senkrechten Konter- und waagerechten Dachlatten.
    • Unter der Eindeckung schützt eine diffusionsoffene Vordeckung untere Dachschichten vor Regen und Staub. Sie besteht aus Bitumen oder Kunststoff.
    • Dann folgen zum Beispiel eine Aufsparrendämmung und eine Dampfsperre. Die Dampfsperre verhindert, dass Feuchtigkeit von Innen zu Schimmelbefall in der Dachdämmung führt.
    • Unter diesen Schichten befinden sich die Dachsparren und Pfetten als tragender Teil des Daches.

 

Dachschäden: eingeschränkte Funktionalität, erhöhtes Risiko!

Neben dem Schutz der Bewohner sind Luftdichtheit und Energieeffizienz eines Hauses Aufgaben des Dachs. Darüber hinaus darf es Passanten nicht durch lose Bauteile gefährden, die auf den Bürgersteig fallen könnten. Das gilt nicht nur beim Steildach, sondern auch bei Flachdächern. Werden Funktionen eingeschränkt oder Passanten gefährdet, ist eine Dachreparatur fällig.

 

Dachschäden: die Ursachen

Oft gibt es für einen Schaden am Dach mehr als eine Ursache und es ist wichtig, keine davon zu ignorieren. Platzen bei eisigen Temperaturen Teile der Dachziegel ab, ist wohl Frost die Ursache. Aber natürlich spielen weitere Ursachen eine Rolle: vielleicht feine Risse in der Dacheindeckung durch ermüdetes Material. Wenn Sie nur die zerbrochenen Dachziegel austauschen lassen, ist das Risiko weiterer Schäden bei erneutem Frost groß. Eventuell sollten Sie die Dachziegel deshalb großflächig austauschen. Erst wenn Sie alle Schadensursachen kennen, können Sie einen Dachschaden optimal beseitigen und Schadensrisiken reduzieren. Die wichtigsten Auslöser von Dachschäden werden im Folgenden ausführlich vorgestellt.

 

1) Dachschaden: Ursache „hohe Schneelast“

Eine auf der Dachfläche liegende Schnee- und/oder Eisschicht übt Druck auf die Dachkonstruktion aus. Sie wird auch Schneelast genannt und darf die Werte, für die das Dach ausgelegt ist, nicht übersteigen. Ansonsten besteht Einsturzgefahr. Neben einem Dachschaden drohen dann Personenschäden. Bekannt geworden ist der Einsturz des Daches auf der ehemaligen Eislauf- und Schwimmhalle Bad Reichenhall im Januar 2006, bei dem 15 Menschen gestorben sind. Die Schneelast hat bei diesem Unglück eine große Rolle gespielt.

Die auf ein Dach wirkende Schneelast ist einerseits von der Dicke der Schnee- und/oder Eisschicht abhängig. Zusätzlich spielt die Art des Schnees oder Eises eine Rolle. Man berechnet die Schneelast auf einem Quadratmeter Dachfläche mit der Formel „Mittlere Dichte x Dicke der Schneeschicht“. Als mittlere Dichte der Schneearten gelten laut Lawinenzentrale im Bayerischen Landesamt für Umwelt folgende Werte in der Einheit kg/m³:

 

Schneeart Schneelast kg/m3
Neuschnee 100
Gesetzter, trockener oder leicht feuchter Altschnee 300
Stark durchnässter Altschnee 500
Schnee-Eis (trüb) 800
Wasser-Eis (klar) 900

 

Nimmt man beispielhaft eine Schichtdicke von fünf Zentimetern (0,05 Metern, so ergibt sich bei Neuschnee eine Auflast von (0,05×100) 5 Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²). Bei Wasser-Eis liegt das Gewicht dagegen bereits bei 45 kg/m².

Die Auflast kann noch viel größer werden. Je nach Schneelage wirken weit über 100 kg/m² auf einen Quadratmeter Dachfläche ein. Dabei spielt zusätzlich die Neigung der Dachfläche eine Rolle. Flachdächer sind gefährdeter als Steildächer. Die Schneelast wird oft nicht in Kilogramm/Quadratmeter, sondern in der Einheit Kilonewton/m² (kN/m²) angegeben. Ein Kilogramm/m² entspricht 0,098 Kilonewton/m².

 

Mit welcher Schneelast müssen Sie rechnen?

Übersteigt die Schneelast die Menge, für die Ihr Dach ausgelegt ist, wird das Schadensrisiko bei heftigem Schneefall groß. Das Dach zu reparieren, wird dann schnell teuer. Beim Bau und Ausbau eines Daches müssen Sie deshalb die erwartete Schneelast berücksichtigen. Sie ist in der Alpenregion höher als an der Küste. Deshalb ist Deutschland in Schneelastzonen eingeteilt. Es gibt die Zonen 1 (geringste Schneelast) bis 3 (höchste Schneelast) sowie die Feinabstufungen 1a und 2a. Das „a“ bedeutet jeweils eine um 25 Prozent erhöhte Schneelast. Die Schneelastzone fließt in die Berechnungen für ein normgerechtes Gebäude nach DIN EN 1991 Eurocode 1-3: „Einwirkungen auf Tragwerke – Schneelasten“ ein. Diese Norm ersetzt die alte DIN 1055-5.

Karte Schneelast Deutschland
Schneelast in Deutschland, Urheber: Störfix, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 2.5

Schutz vor Dachschaden wegen Schneelast

Bei einem Altbau ist eine Dachsanierung für eine erhöhte Tragfähigkeit der Dachkonstruktion relativ aufwändig. Oft reichen günstigere Arbeiten. In Regionen mit hoher Schneelast sind Schneefanggitter Pflicht, um Passanten vor fallenden Schneemassen zu schützen. Sinnvoll können daneben Schneefanghaken sein. Sie verteilen den auf das Dach auftreffenden Schnee und verhindern so eine punktuell hohe Schneelast. Dachheizungen können ebenfalls verhindern, dass eine zu hohe Schneelast einen Dachschaden verursacht.

 

2) Dachschaden: Ursache „hohe Windlast“

Deutschland ist nicht nur in Schneelast-, sondern auch in vier Windzonen eingeteilt. Die Windzone 1 hat die niedrigsten und Zone 4 die höchsten Basiswindgeschwindigkeiten. Die Windgeschwindigkeit nur ein Einfluss auf die Windlast, der Ihr Dach ausgesetzt ist. Weitere Faktoren sind beispielsweise die Dachform und -höhe. Durch die Windlast kann ein Winddruck oder Windsog entstehen, der eine Dachreparatur nötig macht. Deshalb gilt: Je wahrscheinlicher hohe Windgeschwindigkeiten in Ihrer Region sind, desto eher sollten Sie vorbeugende Maßnahmen treffen.

Karte Windlastzonen in Deutschland
Windlastzonen in Deutschland,
Urheber: Störfix, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 2.5

Gefährlich kann insbesondere der Windsog werden, wenn Wind mit hoher Geschwindigkeit über die Dachoberfläche strömt. Aufgrund des sogenannten Bernoulli-Effekts entsteht dann unter der Dacheindeckung ein Unterdruck. Der Wind hebt einzelne Dachelemente (z.B. Dachziegel) an und fegt sie vom Dach. Ebenfalls schädlich wirken Luftwirbel am Dachrand. Deshalb definiert die DIN EN 1991-1-4 Regeln für den Bau von Dächern, die der in der jeweiligen Region erwartbaren Windlast standhalten.

 

Schutz vor Dachschaden wegen hoher Windlast

Für einen verbesserten Schutz können Sie ein mit Dachziegeln gedecktes Steildach mit Sturmklammern schützen. Dabei müssen Sie allerdings nicht jeden Dachziegel mit den Klammern sichern. Bisweilen reicht es aus, wenn Sie bei jedem zweiten oder dritten Ziegel Sturmklammern setzen.

3) Dachschaden: Ursache „Hagel“

Hagel gehört ebenfalls zu den häufigeren Ursachen für Schäden, die eine Dachreparatur nötig werden lassen. Ton- und Schieferziegel können bereits ab einer Hagelkorngröße von drei Zentimetern brechen. Bei fünf Zentimeter großen Hagelkörnern werden Ziegel- und Schindeldächer mitunter sogar bis hinunter zu den Dachsparren zerstört.

Schutz vor Dachschaden aufgrund von Hagel

Um solch einen Dachschaden durch Hagel zu verhindern, setzen Sie am besten auf Materialien mit einer hohen Hagelresistenz. Hilfreich können dabei die Hagelwiderstandsklassen sein, die in den Hagelregistern der Schweiz (Hagelregister.ch) und Österreichs (Hagelregister.at) vergeben werden. Die Bandbreite reicht von „1“ (sehr niedrig) bis zu „5“ (sehr hoch). Ein deutsches Hagelregister steht bisher noch aus.

Als Hagelabwehr dienen nicht alleine robuste Materialien für die Dacheindeckung. Auch für die unter der Dacheindeckung liegenden Dachschichten gibt es Materialien wie etwa spezielle PU-Hartschaum-Wärmedämmplatten mit einem besonderen Hagelschutz. Falls der Hagel die Dacheindeckung zerstört, verhindern sie einen tiefergreifenden Dachschaden in den tieferen Schichten.

4) Dachschaden: Ursache „eindringende Feuchtigkeit“

Feuchtigkeit dringt möglicherweise von außen:

  • durch die defekte Dacheindeckung eines Steildachs,
  • über eine Wasserlache auf dem Flachdach und eine mangelhafte Abdichtung.
  • oder eine nicht fachgerecht ausgeführte Abdichtung an der Verbindungsstelle zwischen Schornstein und Flachdach.

Feuchtigkeit kann zudem in Form feuchter Luft von innerhalb des Hauses in die Dachkonstruktion dringen, wenn die Abdichtung nicht richtig funktioniert. Dann entsteht möglicherweise Schimmel in organischen Dämmschichten. Im noch ungünstigeren Fall faulen Teile der Dachkonstruktion. Deshalb gehört bei Feuchtigkeitsschäden die ganze Dachabdichtung auf den Prüfstand. Zu den vorbeugenden Maßnahmen können neben einer regelmäßigen Dachwartung Arbeiten wie das Freiräumen verstopfter Dachrinnen gehören.

Dachschaden: Was nun?

Trotz aller Vorbeugung können Schäden auftreten und Sie dazu zwingen, Ihr Dach reparieren zu lassen. Wie die beispielhaft genannten feinen Risse in den Dachziegeln zeigen, erkennt man einen Reparaturbedarf aber nicht immer sofort. Eine regelmäßige Dachwartung ist deshalb sinnvoll, um kleinere Verschleißschäden früh zu erkennen. Das Problem, den reparaturbedürftigen Schaden überhaupt erst einmal zu erkennen, haben Sie bei ereignisbasierten Schadensfällen (Sturm, Hagel) meistens nicht. Der Dachschaden ist fast immer sofort erkennbar.

Eine schnelle Schadensanalyse ist wichtig

Wichtig ist im Schadensfall eine schnelle Schadensanalyse, weil einige Schäden schnell zu noch größeren führen, wenn man keine Sofortmaßnahmen ergreift. Möglicherweise ist etwa eine provisorische Abdichtung wichtig, um die Dachkonstruktion vor weiterer Feuchtigkeit zu schützen. Sehr schnell müssen Sie auch dafür sorgen, dass Dachschäden keine Passanten gefährden. Steigen Sie dafür aber nicht selbst aufs Dach, falls Sie nicht vom Fach sind. Überlassen Sie solche Arbeiten Experten.

Ebenfalls wichtig: Schäden dokumentieren

Besteht eine Chance auf Kostenübernahme durch einen Versicherer, ist es zugleich wichtig, dass Sie jeden Dachschaden für die Versicherung dokumentieren und/oder noch nicht beseitigen, bevor Sachverständige des Versicherers ihn gesehen haben. Bisweilen entstehen hier Konflikte zwischen der Notwendigkeit von Sofortmaßnahmen und der Schadensdokumentation. Kontaktieren Sie den Versicherer deshalb unmittelbar nach Eintreten des Schadensfalls. Besprechen Sie mit ihm alle weiteren Schritte.

Bei Sofortreparaturen bleibt oft keine Zeit für einen umfangreichen Vergleich verschiedener Anbieter für Dachreparaturen. Aber spätestens bei Folgearbeiten sollten Sie die Angebote verschiedener Betriebe miteinander vergleichen, um so das beste zu finden. Die Bandbreite der möglichen Dachreparaturen reicht von kleinen Arbeiten (z.B. bei einzelnen herabgefallenen Dachziegeln) bis zu umfangreichen Sanierungen (z.B. nach Schnellastschaden an der Dachkonstruktion). Der Umfang der Arbeiten beeinflusst natürlich auch die Höhe der Kosten.

Wie hoch sind die Kosten einer Dachreparatur?

Wie hoch bei der Dachreparatur die Kosten sind, hängt einerseits von der Art und dem Ausmaß des Schadens ab. Andererseits spielen die für die Reparatur verwendeten Materialien und die Größe der zu reparierenden Fläche eine Rolle. Orientierungswerte für die Kosten einer Dachreparatur werden häufig als Quadratmeterpreise angegeben.

 

Einsparpotential ermitteln Ist eine Dachreparatur oder sogar ein neues Dach die richtige Lösung für Ihr Gebäude? Der kostenlose Sanierungsrechner zeigt Ihnen die optimalen Maßnahmen für Ihr Gebäude und erstellt eine individuelle Sanierungsempfehlung.
Jetzt Sanierungsrechner starten

 

Wird die Erneuerung Ihres Dachstuhls nötig, müssen Sie für die Dachreparatur mit Kosten von ungefähr 50 bis 80 Euro/m² rechnen. Die Dachdämmung zu erneuern, kostet Sie etwa 50 bis 150 Euro/m², während Sie für eine neue Dacheindeckung 40 bis 130 Euro/m² veranschlagen sollten. Die konkreten Kosten pro Quadratmeter hängen unter anderem von den Materialien ab: So sind etwa Schieferplatten meistens deutlich teurer als Dachziegel.

Diese Angaben können nur Orientierungswerte sein, weil Sie in der Kostenkalkulation auch die Art des Daches berücksichtigen müssen. Ein Satteldach ohne jede Besonderheit ist oft einfacher zu reparieren als eins mit Gaube, Erker oder Dachfenstern. Eventuell ist für die Reparaturarbeiten zudem ein Gerüst nötig oder Sie müssen Abfall beseitigen lassen.

Oft unterstützen Versicherungen Sie als Hausbesitzer

Ist keine grobe Fahrlässigkeit im Spiel, unterstützen Versicherungen Sie finanziell, um das Dach zu reparieren und Folgeschäden zu vermeiden. Fällt ein gesunder Baum aufgrund eines Sturms aufs Dach, greift die Gebäudeversicherung. Achtung: Die Versicherer gehen erst ab Windstärke 8 von einem Sturm aus. Möbel in der Dachwohnung werden ebenfalls beschädigt? Das ist ein Fall für die Hausratversicherung. Ein Dachschaden durch eine zu hohe Schneelast ist in der Regel durch eine Elementarschadenversicherung gedeckt. Erleiden Dritte einen Schaden, greift die Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung.

 

Quelle: Bosch Thermotechnik GmbH
Foto: Adobe Stock | Sonja Birkelbach