Was tun, wenn der Wohnraum im eigenen Haus den Ansprüchen nicht mehr genügt? Sie müssen deshalb nicht gleich nach einem neuen Haus Ausschau halten. Stattdessen können Sie mit einer Dachaufstockung für mehr Fläche sorgen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten und jede der Varianten ist wesentlich kostengünstiger als der Umzug in ein geräumigeres Haus. Doch eine Dachaufstockung hat noch weitere Vorteile.

Die Arbeiten sind nicht sehr zeitintensiv und meist nach wenigen Tagen ausgeführt. Während der Aufstockung kann die Familie im Haus wohnen bleiben, es handelt sich also zudem um eine komfortable Art der Wohnraumvergrößerung.

Dach aufstocken – die Möglichkeiten

Wenn Sie in Ihrem Haus zusätzlichen Wohnraum schaffen möchten, gilt es zunächst, die baulichen Gegebenheiten zu prüfen. Der Ausbau eines vorhandenen Dachstockes ist eine andere Baumaßnahme als die Aufsattelung. Auch wenn der Dachausbau manchmal als Synonym für die Dachaufstockung benutzt wird, handelt es sich doch um zwei ganz unterschiedliche Projekte. Denn die bauliche Erschließung eines vorhandenen Dachgeschosses ist lediglich ein Innenausbau.

Um ein Dach aufstocken zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei allen drei Varianten erhöht sich, im Gegensatz zum einfachen Dachausbau, die Quadratmeterzahl des Wohnraumes im Gebäude.

Kniestockerhöhung

Bei der Kniestockerhöhung bleibt das vorhandene Dach erhalten, es wird lediglich angehoben. Wenn Sie an Ihrem Haus das Dach anheben, muss dieses vollständig intakt sein. Denn beim Anheben wird es extremen Kräften ausgesetzt, ältere Dächer müssen deshalb unter Umständen vorher saniert werden. Prüfen Sie also noch vor der eigentlichen Planung einer Kniestockerhöhung den Zustand Ihres Daches.

Ist keine Sanierung erforderlich, kann man den Kniestock von innen aufmauern oder per Holzständer aufziehen. Dabei müssen Sie auf zusätzliche Dämmung achten, um beispielsweise Wärmebrücken zu vermeiden. Lassen Sie außerdem einen Fachmann prüfen, ob eventuell eine Dampfsperre notwendig ist. Das kann nur ein erfahrener Handwerker beurteilen, andernfalls drohen später im schlimmsten Fall Feuchtigkeitsschäden oder Schimmelbefall.

Der Vorteil eines hohen Kniestockes liegt im Gewinn an Wohnraum. Je höher der Kniestock, desto geringer die Begrenzung der Fläche durch die Dachschrägen.

 

Geschossaufstockung

Bei der Geschossaufstockung entsteht ein zusätzliches Stockwerk. Während bei der Kniestockerhöhung ein neues Dachgeschoss entsteht, wird hier praktisch ein zusätzliches Geschoss unter das Dach gesetzt. Dabei wird zunächst das vorhandene Dach abgetragen und eine neue Etage wird aufgebaut. Je nach Zustand des alten Dachstockes wird dieser entweder wieder aufgesetzt, oder es kommt ein komplett neues Dach zum Einsatz.

 

Aufstockung von Flachdächern

Häuser mit Flachdächern können entweder durch ein Schrägdach mit Holzkonstruktion oder mit einem Massivdach aufgestockt werden. Weil Massivdächer jedoch einerseits viel schwerer und andererseits auch wesentlich teurer sind, wählen die meisten Bauherren die erste Variante zur Wohnraumerweiterung von Flachdachhäusern.

Wenn die Statik es zulässt, bleibt das vorhandene Flachdach auch nach dem Abtrag der Kiesschicht noch als Geschossdecke erhalten, was die Kosten erheblich reduzieren kann.

Braucht man für die Dachaufstockung eine Baugenehmigung?

Wenn Sie Ihr Dach aufstocken möchten, müssen Sie dafür eine entsprechende Genehmigung beim zuständigen Bauamt beantragen. Die Bewilligung hängt unter anderem von den Vorgaben des örtlichen Bebauungsplans ab. Bevor Sie also eine Dachaufstockung planen, sollten Sie sich informieren, welche Höhen und Geschosszahlen in diesem Plan für Ihre Wohngegend vorgesehen sind.

Besteht laut Bebauungsplan prinzipiell die Möglichkeit einer Aufstockung, sollten Sie zunächst einen Architekten und einen Statiker zurate ziehen. Denn die baulichen Veränderungen am Gebäude, die eine Aufsattelung mit sich bringt, erfordern einige spezifische Voraussetzungen. Neben behördlichen Auflagen sind auch die baulichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Wie viel umbauter Raum ist auf dem vorhandenen Grundstück überhaupt möglich, welche Art der Dachaufstockung erlaubt die Statik des Gebäudes?

Darüber hinaus sollten Sie die energetischen Bedingungen prüfen. Eventuell müssen Sie nach der Aufstockung erweiterte Auflagen bezüglich der Energieeffizienz erfüllen. Besprechen Sie also während der Planung auch die gesetzlichen Vorgaben der Energie-Einsparverordnung EnEV. Außerdem sollten die relevanten Fragen einer zusätzlichen Dachdämmung zur Sprache kommen.

Bauliche Voraussetzungen für eine Dachaufstockung

Bei weitem nicht jedes Haus ist für eine Dachaufstockung geeignet. Denn dadurch wird die Statik des gesamten Gebäudes verändert. Die wichtigste Frage lautet: Ist das Haus überhaupt für die neuen Kräfte ausgelegt, die nach der Aufstockung auf Gebälk und Wände einwirken werden? Die Antwort kann nur ein Statiker geben. Ist die bestehende Bausubstanz nicht dafür geeignet, weitere Belastungen zu tragen, können eventuell verstärkende Maßnahmen getroffen werden. Auch die Beschaffenheit der obersten Decke muss vor einer Dachaufstockung sorgfältig geprüft werden. Berücksichtigen müssen Sie darüber hinaus den Schallschutz zu den unterliegenden Räumen und eventuelle Brandschutzauflagen.

Der Statiker muss auch festlegen, an welchen Stellen neue Wände nötig sind. Bei Balkonen muss beispielsweise die Himmelsrichtung in die Planung miteinbezogen werden. Aus welcher Richtung ist mit Emissionen zu rechnen? Bei einem solchen Bauprojekt kommen viele Fragen auf, die nur ein Experte beantworten kann.

Nach Prüfung der baulichen Gegebenheiten sollten Sie zusammen mit dem Architekten und dem Statiker eine Kosten-Nutzen-Analyse vornehmen. Lohnt sich die Aufstockung in Ihrem Fall überhaupt? Eine eventuelle Verstärkung des Fundaments ist sehr teuer, wenn dann auch noch Leitungen und Anschlüsse hinzugefügt oder ganz neu verlegt werden müssen, können die Kosten mitunter explodieren.

Kosten und Förderungsmöglichkeiten

Diese Faktoren wirken sich auf die Kosten für eine Dachaufstockung aus:

  • Art der Aufsattelung
  • Ausführung der Arbeiten
  • Innenausbau
  • Planung und Genehmigung
  • Architekt und Statiker
  • Dämm- und Wärmeschutzmaßnahmen
  • Einbau von Fenstern

Zwar muss ein Haus nach der Aufstockung eventuell strengere Energieeffizienzstandards erfüllen, dafür können Sie hinterher aber auch energiesparender wirtschaften. Dann hätten Sie sogar die Möglichkeit, Fördergelder bei der KfW zu beantragen. Diesen Umstand sollten Sie auf jeden Fall vor der Planung abklären, denn die Kosten für eine Dachaufstockung sind erheblich. Neben den Honoraren für den Architekten und den Statiker müssen Sie neben den reinen Baukosten auch die Gebühren für die erforderliche Baugenehmigung mit einberechnen.

Für eine Kniestockerhöhung muss man bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit mindestens 5.000 Euro rechnen, die Kosten können sich aber auch auf über 10.000 Euro aufsummieren. Sie hängen stark von den baulichen Gegebenheiten ab, ob beispielsweise eine zusätzliche Dachsanierung nötig ist. Wenn Sie ein Flachdach aufstocken, müssen Sie mit Kosten um die 25.000 Euro kalkulieren. Wichtige Faktoren sind natürlich immer die Größe und der Zustand eines Gebäudes.

Beispielrechnung für eine Dachaufstockung

Bei einem Einfamilienhaus mit Flachdach von 80 Quadratmetern Fläche soll ein klassisches Satteldach zum nachträglichen Ausbau aufgesetzt werden.

Die Kosten (Brutto) summieren sich wie folgt:

Baumaßnahme Kosten
Errichtung des Dachstuhles 7.900 Euro
Dach dämmen und eindecken 20.160 Euro
5x Schrägdachfenster einbauen 3.570 Euro
Innenausbau des kompletten Dachgeschosses 28.000 Euro
Durchbruch Decke, Treppe 6.200 Euro
Gesamtbetrag 65.830 Euro

Somit belaufen sich die reinen Baukosten in diesem Einzelbeispiel auf 822,88 Euro pro Quadratmeter. Dabei sind Planungs- und Genehmigungskosten noch nicht berücksichtigt.

Diese Kosten mögen hoch erscheinen, legt man dieses Beispiel zugrunde, wäre ein vergleichbarer Anbau aber ungefähr doppelt so teuer gewesen.

Text: Bosch Thermotechnik GmbH
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