Praxistest Energieausweis

 

Begrenzte Aussagekraft aber hohes Sanierungspotenzial

Seit Mai 2014 ist der Energieausweis Pflicht. Ausstellen lassen muss ihn jeder, der eine beheizte Immobilie vermietet, verpachtet oder verkauft. Die wichtigsten Daten zu Haus, Heizung und Energieverbrauch sind dabei bereits in der Immobilienanzeige anzugeben. Aber welchen Nutzen haben Käufer und Mieter vom Energieausweis und wie unterstützt er die Arbeit von Fachexperten?

 

Der Energieausweis: Ziele und Inhalte

Der Energieausweis ist immer dann auszustellen, wenn ein Haus oder eine Wohnung verkauft oder vermietet wird, um Mieter sowie Käufer über den energetischen Stand zu informieren. Er soll Gebäude vergleichbar machen und so auch in die Kauf- und Mietentscheidung für eine Immobilie einfließen. Wie und wann ein solcher Ausweis auszustellen ist, regelt die Energieeinsparverordnung (EnEV).

Wer einen Energieausweis in den Händen hält, kann daraus die wichtigsten Daten zu einem Gebäude ablesen. So zum Beispiel den End- und den Primärenergiebedarf, bezogen auf die beheizte Gebäudefläche. Da beide Werte vor allem für Laien schwer zu verstehen sind, hat der Gesetzgeber spezielle Energieeffizienzklassen eingeführt. Diese reichen von „A+“ bis „H“ und sollen einen einfachen Vergleich verschiedener Gebäude ermöglichen.
 

Empfehlungen zeigen die größten Einsparpotenziale auf 

Grundsätzliche Modernisierungsempfehlungen im Energieausweis zeigen Hauseigentümern auf, welche Maßnahmen kosteneffizient zu einem besseren energetischen Zustand führen. Alle Details haben wir für Sie in unserer Infografik zur Energieeffizienz von Einfamilienhäusern zusammengestellt.

Sinnvoll ist dabei vor allem der Austausch der Heizung, der mit Kosten von unter 10.000 Euro 20 bis 30 Prozent der Heizkosten einsparen kann. Dicht darauf folgen Maßnahmen wie die Kellerdeckendämmung oder die Dämmung der Dachflächen.
Aber auch einfache Tipps, wie das Entlüften der Heizkörper, das Dämmen alter Rollladenkästen oder der Austausch der Heizkörperthermostate helfen beim Sparen. Möchten Hauseigentümer die Einsparungen noch verbessern, können Fachexperten darüber hinaus auch auf das richtige Heiz- und Lüftungsverhalten hinweisen.

 

Zwei Energieausweise mit unterschiedlichen Ergebnissen

In der Praxis kommt der Energieausweis nicht richtig an. Er wird oft als notwendiges Übel verstanden und liefert kaum realistische Angaben über die zu erwartenden Heizkosten. Ein Grund dafür sind die gesetzlichen Vorgaben. Denn abhängig von der Größe und des Alters eines Gebäudes sind zwei Ausweise möglich: Ein günstiger Verbrauchsausweis oder ein teurerer Bedarfsausweis.
Der Verbrauchs-Energieausweis basiert auf den Abrechnungsdaten dreier aufeinanderfolgender Jahre. Das Ergebnis hängt stark von der Zahl der Bewohner und deren Nutzerverhalten ab. Bei ein und demselben Gebäude, kann dieses unterschiedlich ausfallen.

Der Bedarfs-Energieausweis basiert hingegen auf einer detaillierten Berechnung. Energieberater ermitteln dabei, wie viel Energie ein Gebäude bei einem vorgegebenen Standardnutzerverhalten benötigt. In der Praxis weichen die Ergebnisse jedoch oft von den tatsächlichen Verbrauchsdaten ab. Gründe dafür sind unterschiedliche Berechnungsverfahren und Herangehensweisen.

Beide Energieausweise haben eine Gültigkeit von 10 Jahren. Neu auszustellen sind sie immer dann, wenn ein Haus oder ein Gebäude nach Ablauf dieser Frist verkauft oder neu vermietet werden soll.

 

Die Aussagekraft der Energieausweise ist begrenzt

Fachexperten stellen immer wieder fest, dass Hausbesitzer, Käufer oder Mieter die Angaben im Energieausweis nur schwer interpretieren können. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Ergebnisse für ein einziges Haus oft weit auseinandergehen. Ein Beispiel vom Eigentümerverband Haus & Grund beweist das. So ließ der Verband einen Bedarfsausweis für ein bestehendes Gebäude von verschiedenen Beratern ausstellen. Die Ergebnisse unterschieden sich dabei stark. [1] Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland sagt dazu in der Zeitschrift Welt: „Man kann sagen: Es hängt mehr oder weniger vom Zufall beziehungsweise von der Arbeitsweise des Beraters ab, wie ein Energieausweis ausfällt“. [1]
Wenn Fachexperten die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung nachweisen möchte, sollten sie vor allem die tatsächlichen Verbrauchswerte heranziehen. Christian Reher, Experte des Online-Portals co2online, erklärt dazu auf Welt.de: „In unseren eigenen Auswertungen ist erkennbar, dass Verbrauchsausweise durchschnittlich bessere Werte erreichen als Bedarfsausweise. Die Abweichung beträgt im Mittel eine Effizienzklasse.“ [1]

 

Sanierungspflicht bei Eigentümerwechsel

Um den Energieverbrauch in Deutschland zu senken, hat die Regierung neben dem Energieausweis auch Sanierungspflichten eingeführt. Die sogenannten Nachrüstpflichten betreffen alte Heizungsanlagen, ungedämmte Rohrleitungen sowie ungedämmte und frei zugängliche Dachböden. Da Hausbesitzer, die ein Ein- oder Zweifamilienhaus als Eigentümer schon seit Februar 2002 selbst bewohnen, von den Pflichten ausgenommen sind, greifen diese oft erst beim Übergang des Eigentums. Also immer dann, wenn eine Immobilie verkauft oder vererbt wird. Die neuen Eigentümer haben dann zwei Jahre Zeit, diese Pflichten umzusetzen.

 

Interessant zu wissen  

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Statistiken zeigen ein großes Sanierungspotenzial in Deutschland

Dass EnEV und Energieausweis in der Praxis noch nicht die gewünschte Wirkung zeigen, beweist auch ein Blick auf die Energieeffizienzklassen bestehender Immobilien. Hier erreicht kein Gebäude die Klassen „A+“ bis „B“. Die Effizienzklassen „C“ und „D“ bekommen lediglich acht Prozent der untersuchten Bestandsgebäude. 29 Prozent der Häuser sind mit „E“ oder „F“ und allein 22 Prozent mit der Klasse „G“ bewertet. Mit 41 Prozent erreicht ein großer Teil aller Gebäude im Bestand lediglich die Effizienzklasse „H“.
 

Hohes Sanierungspotential in Deutschland

Für Fachexperten heißt das: Das Sanierungspotential in Deutschland ist hoch. Viele Hausbesitzer zahlen zu viel für ihre Heizung und können mit einer Modernisierung kräftig sparen. Der Energieausweis kann dabei lediglich den ersten Anstoß geben. Die richtige Entscheidungsgrundlage liefert eine vom BAFA geförderte Energieberatung. Denn diese zeigt Schwachstellen an Haus und Technik individuell und detailliert auf.

 

Quelle: Bosch Thermotechnik.de;
[1] https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article147716799/Energieausweis-in-dieser-Form-vollkommen-wertlos.html

Foto: Dreadlock - Fotolia.com

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