Interview: Gebäude sanieren – so steigen Sie richtig ein!

Interview zur Gebäudesanierung

Interview mit Petra Hegen, Initiative Zukunft Altbau

 

Was energetische Modernisierung bedeutet

Effizienzhaus-online: Frau Hegen, viele Hausbesitzer wissen, dass ihr Haus zu viel Heizenergie benötigt und interessieren sich für eine energetische Modernisierung. Was heißt energetische Modernisierung überhaupt?

Frau Hegen: Energetisch modernisieren bedeutet, das Augenmerk auf eine möglichst hohe Energieeinsparung zu legen. Zur Minimierung des Energieverbrauchs gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, beispielsweise die Heizung erneuern oder Fenster austauschen und die Fassade dämmen. Dabei ist es wichtig, ein Haus als Ganzes zu betrachten. Jede Sanierungsmaßnahme kann Einfluss nehmen auf andere Bereiche und es gilt, Bauschäden zu vermeiden. Für jedes Haus kann ein individueller Sanierungsfahrplan erstellt werden, der unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten den sinnvollen Ablauf von einzelnen Modernisierungsschritten aufzeigt. Gegenüber einem unsanierten Haus kann ein energetisch modernisiertes Haus 50 bis 80 Prozent Energie und Heizkosten sparen.

 

Womit man bei einer Sanierung anfangen sollte

Effizienzhaus-online: Wie steigt ein Hausbesitzer am besten ein?

Frau Hegen: Meist stehen an Häusern Instandhaltungsmaßnahmen an. Das ist der optimale Zeitpunkt, um sowieso fällige Maßnahmen mit einer energetischen Sanierung zu kombinieren. Beispielsweise sollte vor einem neuen Fassadenanstrich zunächst die Fassade gedämmt werden. Am Anfang jeder energetischen Modernisierung empfehlen wir eine qualifizierte und neutrale Beratung durch einen Energieberater. Er erstellt einen professionellen Sanierungsfahrplan für das jeweilige Haus. Diese Dienstleistung wird in Baden-Württemberg auf Antrag mit 200 bis 500 Euro bezuschusst, je nach Anzahl der Wohneinheiten. Dieses Angebot sollten sich Hausmodernisierer im Ländle nicht entgehen lassen.

 

Aufgabe und Kosten eines Energieberaters

Effizienzhaus-online: Was genau macht ein Energieberater und was kostet das?

Frau Hegen: In Baden-Württemberg haben wir zwei Stufen der Energieberatung: Den Sanierungsfahrplan B.-W. (SFP) und die bundesweit gültige Vor-Ort-Beratung des BAFA. Der SFP enthält Sanierungsempfehlungen, die schrittweise oder in einem Zug durchgeführt werden können. Der SFP beinhaltet die Datenaufnahme, die Berechnung der Einsparpotenziale der vorgeschlagenen Maßnahmen und die Erläuterung der Ergebnisse. Daraus ergeben sich mindestens zwei Varianten wie bei der Sanierung vorgegangen werden kann. Ein SFP für ein Ein- oder Zweifamilienhaus kostet etwa 1.000 Euro, abzüglich der 200 Euro Förderung. Die Vor-Ort-Beratung erhält zusätzlich die Kosten sowie die Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen und zeigt auf, welche Fördermöglichkeiten genutzt werden können. Das BAFA fördert eine Vor-Ort-Beratung durch einen Energieberater in Form eines Zuschusses in Höhe von 60 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, maximal 800 Euro bei einem Ein- oder Zweifamilienhaus und 1.100 Euro bei drei Wohneinheiten. Für alle Arbeitsschritte braucht ein erfahrener Energieberater mindestens ein bis zwei Arbeitstage und dafür auch eine angemessene Entlohnung.

 

Nutzen einer energetischen Sanierung

Effizienzhaus-online: Welchen Nutzen bietet eine energetische Sanierung?

Frau Hegen: Durch eine energetische Sanierung reduzieren Sie in erster Linie die Betriebsausgaben für ein Gebäude. Dazu zählen die Heizkosten und die Kosten für warmes Wasser in Küche und Bad. Zusätzlich erhöht eine energetische Sanierung auch die Behaglichkeit im Inneren der Räume. Als störend empfundener Luftzug aufgrund kalter Wände oder undichter Fenster gibt es nicht mehr. Gleichzeitig wird der CO2-Ausstoß reduziert und jeder Hausbesitzer, der energetisch saniert,  leistet so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Eine Sanierung schützt die Bausubstanz und erhöht den Wiederverkaufswert.

 

Der Heizenergiebedarf als Orientierungsgröße für eine energetische Modernisierung

Effizienzhaus-online: Ab welchem Heizenergiebedarf ist eine energetische Modernisierung ratsam?

Frau Hegen: Bis zu 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) ist das eher wenig. Hierbei entsprechen 1 Liter Heizöl oder 1 Kubikmeter Erdgas etwa 10 Kilowattstunden (kWh). Darüber lohnt sich in jedem Fall eine Sanierung. Der Durchschnitt der 40 Millionen Wohnungen in Deutschland liegt bei 180 kWh/m²a. Das ist der Stand der Technik von vor 30 Jahren, also höchste Zeit zum Modernisieren! Ein modernes Passivhaus braucht gerade mal 15 kWh/m²a - weniger als ein Zehntel!

 

Welche Einsparungen sind bei einem älteren Gebäude möglich?

Effizienzhaus-online: Wie sparsam kann ein älteres Gebäude heute werden?

Frau Hegen: Die energetische Sanierung eines Altbaus auf Neubauniveau und besser ist heute durchaus möglich. Die KfW setzt mit den „KfW-Effizienzhäusern“ vorbildliche energetische Standards. Die aktuelle Förderung beginnt bei Gebäuden, die höchstens 115% des Energiebedarfs eines baugleichen Neubaus (das s.g. Referenzgebäude) aufweisen. Je besser der energetische Standard eines Hauses nach der Sanierung ist, desto mehr Förderung können Sie erwarten. Gefördert werden derzeit KfW-Effizienzhäuser 115, 100, 85, 70 und 55 oder besser.

 

Den Sanierungsfahrplan Schritt für Schritt umsetzen

Effizienzhaus-online: Kann ich meinen Sanierungsfahrplan auch Schritt für Schritt umsetzen?

Frau Hegen: Jeder Hausbesitzer kann frei wählen, ob er sein Haus komplett energetisch auf Vordermann bringt und die dafür notwendige Summe investiert oder ob er mit Einzelmaßnahmen startet. Wichtig ist, die richtige Reihenfolge gemeinsam mit einem Experten  festzulegen. Eine qualifizierte Energieberatung sorgt mit einem Sanierungsfahrplan für das optimale Konzept. Es gibt Sanierungskonzepte für jeden Geldbeutel. Und dazu Förderkredite, bei denen Hausbesitzer jetzt zugreifen sollten.

 

Ab wann sich eine energetische Modernisierung lohnt

Effizienzhaus-online: Wie kann ein Hausbesitzer sehen, ob sich eine energetische Modernisierung überhaupt lohnt?

Frau Hegen: Einsparungen bis zu 80 Prozent der Energiekosten sind mit einer energetischen Modernisierung erzielbar. Über die nächsten 30 Jahre gerechnet, kommt da eine ganz schöne Summe zusammen. Der Energieberater zeigt am konkreten Fall, wann sich eine Modernisierungsmaßnahme finanziell lohnt.

 

Die beliebtesten Modernisierungsmaßnahmen

Effizienzhaus-online: Was sind die beliebtesten energetischen Modernisierungsmaßnahmen?

Frau Hegen: Die Modernisierung der Heizung steht ganz oben, gefolgt von neuen Fenstern und der Dämmung von Dach und Fassade. Starten kann ein Hausbesitzer aber auch mit kleineren Maßnahmen, die er mit etwas handwerklichem Geschick selbst ausführen kann, wie das Dämmen der obersten Geschossdecke oder das Dämmen der Kellerdecke.

 

Baubegleitung durch einen Experten

Effizienzhaus-online: Ist eine Baubegleitung durch einen Experten zu empfehlen?

Frau Hegen: Ja, natürlich. So kann sich der Hausbesitzer sicher sein, dass die ausgeführten Maßnahmen auch zu den gewünschten Einsparergebnissen führen. Die Baubegleitung durch einen Experten wird von der KfW mit einem Zuschuss von 50 Prozent der Kosten gefördert, maximal 4.000 Euro pro Vorhaben.

 

Die häufigsten Sanierungsfragen

Effizienzhaus-online: Die Initiative Zukunft Altbau bietet kostenlose Beratungen an. Was sind die häufigsten Fragen/Themen an Ihrem Beratungstelefon?

Frau Hegen: Wir führen keine Hitliste, aber zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG), das nur für Baden-Württemberg gilt, kommen viele Fragen. Der Pflichtanteil für Wärme aus Sonne, Holz oder Umweltwärme in bestehenden Wohngebäuden beträgt 15 Prozent. Gebäudebesitzer stellen hier Fragen. Es gibt zur Erfüllung 14 Optionen, die auch miteinander kombinierbar sind. Dann gibt es natürlich Fragen zur Dämmung, gerade zum Wärmedämmverbundsystem. Beim Thema Heizung interessieren sich viele Hausbesitzer für Solarthermie, aber auch für erneuerbare Energiequellen, beispielsweise für Wärmepumpen.

 

Quelle: Bosch Thermotechnik GmbH / Petra Hegen
Foto: Petra Hegen

 

 

   Unsere Expertin zum Thema Gebäudesanierung:

Petra Hegen

Petra Hegen, Dipl.-Ing. (FH) Versorgungstechnik, Freie Architektin und Energieberaterin; Initiative Zukunft Altbau, KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

 

 

     
  Zukunft Altbau  
  Zukunft Altbau ist ein vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördertes neutrales Informationsprogramm zu allen Fragen der energetischen Sanierung von Gebäuden. Alle am Bau Beteiligten können sich hier über die vielfältigen Vorteile und Effekte einer energetischen Sanierung gewerkneutral und fachübergreifend informieren. Die Kampagne wurde 1999 mit dem Ziel gestartet, private Hauseigentümer für eine energetische Sanierung ihrer Gebäude zu sensibilisieren und zu motivieren. Neben der Motivation zur Sanierung des Hauses begleitet Zukunft Altbau auch Eigentümer in ihren Entscheidungsprozessen.