Dämmung zwischen Wahn und Wirklichkeit

Dämmung Wand Fassade

Die Dämmung ist besser als ihr Ruf. Das haben viele wissenschaftliche Studien inzwischen bewiesen.

 

Dena und Fraunhofer IBP wehren sich gegen Dauerkritik

Grassiert in Deutschland der Dämmwahn? Sieht man sich die allgemeinen Sanierungszahlen an, kann man das kaum glauben. Denn die Sanierungsquote liegt nach Aussage von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Deutschland bei 0,8 Prozent, von der Bunderegierung erwünscht sind 2,5 Prozent. Doch wer momentan eine Zeitung oder Zeitschrift aufschlägt, dem stellt sich ein anderes Bild dar: Die gesamte Baukultur wird da unter Styropor begraben, es drohen hohe Kosten und geringe Einsparungen.

Schlechte Presse sind die Dämmstoff-Hersteller seit Jahren gewohnt, doch bei der aktuellen Kampagne reiben sich Fachleute die Augen. Denn um Argumente geht es bei der aktuellen Berichterstattung schon lange nicht mehr, heruntergebetet wird von den Medien die immer gleiche Kritik – eine Dämmung sei wenig wirksam, viel zu teuer, brandgefährlich – verpackt in griffige Schlagzeilen und ohne Rücksicht darauf, dass viele der wiederholten Vorurteile in der Praxis längst widerlegt sind. Vor allem an der Fassadendämmung mit Styropor arbeiten sich die Kritiker mit Vorliebe ab. Dabei gerät leider aus dem Blickfeld, dass Hausbesitzer deutlich mehr Auswahl haben, wenn es um die Sanierung ihres Hauses geht. Neben verschiedenen Dämmstoffen für die Fassadendämmung stehen viele andere wirksame Sanierungsmaßnahmen wie Fenstertausch oder der Einbau einer energiesparenden Heizung zur Verfügung.

 

Von "Volksverdämmung" und "asozialem Wohnungsbau"

Paukenschlag in der aktuellen Dämmkritik war das SPIEGEL-Sonderthema in der ersten Dezember-Woche. Von der drohenden "Volksverdämmung" war dort zu lesen und von einem "asozialem Wohnungsbau": Mieter müssten die teuren Modernisierungskosten bezahlen, würden aber nicht von Einsparungen profitieren. Momentan spielt den Kritikern zusätzlich der günstige Ölpreis in die Karten. Die Heizkosten sinken eher, als dass sie steigen. Dennoch ist die Argumentation mehr als kurzsichtig. Denn was passiert, wenn die Energiekosten wieder steigen, was, wenn es künftig kalte Winter gibt? Ob dann in gedämmten Häusern noch von einem asozialen Wohnungsbau die Rede ist? Zudem wird bei der aktuellen Diskussion vergessen, dass viele Hausbesitzer nicht nur Heizkosten sparen wollen, sondern oft auch ein schlechter Wohnkomfort der Treiber eines Sanierungswunsches ist. Dennoch: Viele Hausbesitzer sind verunsichert und schieben Sanierungsmaßnahmen auf. Für Fachleute heißt das, sie müssen in Gespräch mehr Überzeugungsarbeit leisten und gute Argumente haben, warum sich eine energetische Sanierung letztlich doch für Hausbesitzer rechnet.

 

Dena und Fraunhofer IBP wehren sich

Doch auch der Spiegel steht in der Kritik: Dem Politik-Magazin Cicero fällt unangenehm auf, dass das Themenspecial von der Energiewirtschaft gesponsert wurde. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) stellte klar, dass es keinen Zwang zum Dämmen oder Sanieren gibt, sondern viele Wahlmöglichkeiten und Chancen mit bewährten Effizienzprodukten. Und auch das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP), dessen Studien aus den 80er Jahren von Dämmkritikern immer wieder angeführt werden, wehrt sich inzwischen: "Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die vielfach aufgestellten Behauptungen und gezogenen Schlussfolgerungen unhaltbar sind. In den in der vorliegenden Einlassung zitierten Publikationen, die von der Öffentlichkeit eingesehen werden können, erfolgte bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten eine Richtigstellung. Es ist deshalb verwunderlich, dass derartige Falschaussagen jetzt abermals publiziert worden sind."

 

Quelle: dena / Fraunhofer IBP / Bosch Thermotechnik GmbH
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