Interview mit Matthias Hoffmann, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Leiter Referat 512 Vor-Ort-Beratung, Energiemanagementsysteme

Effizienzhaus-online: Herr Hoffmann, wie hat sich die Zahl der Förderanträge die letzten Jahre entwickelt?

Herr Hoffmann: Im Jahr 2015 hatten wir erstmals seit 2009 einen Anstieg der Zahl der Förderanträge gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, und zwar um rund 9 Prozent auf 9.000 Vor-Ort-Beratungen. Die neue BAFA-Richtlinie von 2014 hat die Vor-Ort-Beratung stärker an die Bedürfnisse der Praxis angepasst. Das hat sich ausgezahlt. Stand September 2016 hatten wir bereits 6.214 Förderanträge.

 

BAFA-Richtlinie jetzt näher an der Praxis

Effizienzhaus-online: Was wurde mit der neuen BAFA-Richtlinie konkret verbessert?

Herr Hoffmann: Die Förderung einer Vor-Ort-Beratung ist für den Immobilienbesitzer nunmehr wesentlicher attraktiver. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stärker als zuvor die Interessen des Hauseigentümers berücksichtigt, indem es für diesen eine Wahlmöglichkeit eingeführt hat. Der Beratungswillige kann sich entweder eine Energieberatung fördern lassen, die ihm zeigt, wie er sein Wohngebäude in einem Zug so sanieren kann, dass es am Ende einen zeitgemäßen energetischen Standard aufweist (sog. KfW-Effizienzhaus). Will er dagegen nicht gleich den großen Wurf wagen, kann er stattdessen den Energieberater mit der Erstellung eines Sanierungsfahrplans beauftragen. Das Sanierungskonzept weist ihm dann einen Weg, wie er sein Haus in Einzelschritten umfassend energetisch modernisieren kann.

 

BAFA-Zuschüsse angehoben

Effizienzhaus-online: Wie haben sich die Zuschüsse entwickelt?

Herr Hoffmann: Durch die Richtlinie 2014 gibt es für die Hausbesitzer einen noch größeren finanziellen Anreiz, einen Experten mit einer Vor-Ort-Beratung zu beauftragen. Der Zuschussanteil am Beraterhonorar wurde auf 60 Prozent angehoben und die Höchstzuschüsse liegen nun mit 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 1.100 Euro für Wohngebäude mit mindestens drei Wohneinheiten deutlicher höher als in der Vergangenheit. Zusätzlich wurde ein weiterer Zuschuss speziell für Wohnungseigentümergemeinschaften eingeführt. Diese können einmalig eine zusätzliche Förderung in Höhe von 500 Euro erhalten, wenn der Energieberater seinen Beratungsbericht, der die Sanierungsvorschläge enthält, auch in einer Versammlung der Wohnungseigentümer oder einer Beiratssitzung erläutert. In unserem Flyer zur Vor-Ort-Beratung sind alle wichtigen Punkte zusammengefasst.

 

Gründe für eine Vor-Ort-Beratung

Effizienzhaus-online: Wann nehmen Hausbesitzer nach Ihren Erfahrungen eine Vor-Ort-Beratung in Anspruch?

Herr Hoffmann: Bei einer Evaluation des Förderprogramms im Jahr  2014 hatten wir auch nach den  Gründen für die Inanspruchnahme von Vor-Ort-Beratungen gefragt. Der weitaus überwiegende Anteil der Befragten (90 Prozent) verfolgte das Ziel, mit höherwertigen Maßnahmen mehr Energie einzusparen bzw. systematisch die beste Lösung für das eigene Haus zu finden (83 Prozent). Weitere wichtige Motive waren die Werterhaltung bzw. -steigerung der Immobilie (77 Prozent) sowie die allgemeine Erfassung des energetischen Zustands des Gebäudes (75 Prozent).

 

Vor-Ort-Beratung: das Thema Erneuerbare Energien

Effizienzhaus-online: Was ist mit dem Thema Erneuerbare Energien bei einer Vor-Ort-Beratung?

Herr Hoffmann: Der Energieberater muss in dem von ihm zu erstellenden energetischen Sanierungskonzept einen Vorschlag zur Nutzung erneuerbarer Energien machen. Dies gilt unabhängig davon, ob er zu einer in einem Zug durchzuführenden Komplettsanierung berät oder einen Sanierungsplan für ein zeitlich gestrecktes, stufenweises Vorgehen zu erarbeiten hat. In begründeten Fällen aber kann er von einem solchen Vorschlag absehen, wenn nämlich der Einsatz erneuerbarer Energien aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich oder unwirtschaftlich wäre.

 

Energieberater für eine Vor-Ort-Beratung finden

Effizienzhaus-online: Wo finden Interessenten einer Vor-Ort-Beratung geeignete Energieberater?

Herr Hoffmann: Die Bundesregierung hat für ihre Förderprogramme zur Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich, eine Expertenliste geschaffen, die in seinem Auftrag von der Deutschen Energie-Agentur GmbH betreut wird. Dort sind fachlich qualifizierte Energieberater auch für das Förderprogramm Vor-Ort-Beratung eingetragen, das vom BAFA administriert wird. Über eine Suchfunktion kann hier jeder Interessierte einen geeigneten Experten aus seiner Umgebung finden.

Effizienzhaus-online: Vielen Dank Herr Hoffmann für das ausführliche Interview.

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Matthias Hoffmann, Leiter Referat 512 Vor-Ort-Beratung, Energiemanagementsysteme

 

Zum BAFA: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist eine Bundesoberbehörde mit breit gefächertem Aufgabenspektrum im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Für private Hausbesitzer vergibt das BAFA Zuschüsse für das Heizen mit erneuerbaren Energien sowie zur Heizungsoptimierung. Die Vor-Ort-Beratung durch einen Energieberater  zeigt Hausbesitzern was und wie sie sanieren können – mit einem Zuschuss vom BAFA von bis zu 60 Prozent der Beratungskosten.