Tipps zur Fassadendämmung

 

Interview mit Tipps zur Fassadendämmung mit WDVS

Die Fassadendämmung mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist seit über 40 Jahren im Einsatz und wird von privaten Hausbesitzern meist bevorzugt. Wird das komplette Dämmsystem fachgerecht angebracht, lassen sich Wärmebrücken wirksam vermeiden und sehr gute Dämmwerte erreichen. Allerdings gibt es bei einer Fassadendämmung auch einiges zu beachten, wie Wolf-Dieter Dötterer aus seiner täglichen Praxis zu berichten weiß.

 

Darum ist eine Fassadendämmung sinnvoll

Effizienzhaus-online: Herr Dötterer, was sind die Beweggründe für eine Fassadendämmung?

Herr Dötterer: Die Fassade ist fast bei allen Haustypen die größte Fläche am Haus. Deshalb lässt sich hier mit einer fachmännisch angebrachten Dämmung auch entsprechend Heizenergie einsparen. Neben dem Einspareffekt ist es aber vor allem das Thema Wohnkomfort, das Hausbesitzer zu einer Dämmung der Fassade bewegt. Eine Fassadendämmung bringt mehr Behaglichkeit in jeden Wohnraum. Die Oberflächentemperaturen an den Rauminnenseiten sind höher, es wird speziell in Nähe zur Außenwand als weniger zugig empfunden.

 

Was ist ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS)?

Effizienzhaus-online: Aus welchen Komponenten besteht ein Wärmedämmverbundsystem?

Herr Dötterer: Ein WDVS besteht aus Dämmplatten, die per Kleber und/oder Dübel an der Wand befestigt werden. Darauf wird ein Unterputz mit einem Armierungsgewebe angebracht. Den Abschluss bildet ein Oberputz. An der Fassade dürfen nur bauaufsichtlich zugelassene Systeme verarbeitet werden. Das Anbringen eines WDVS ist eine Aufgabe für einen qualifizierten Fachbetrieb.

 

Wann gedämmt werden muss

Effizienzhaus-online: Wann müssen Hausbesitzer dämmen?

Herr Dötterer: Vielen Hausbesitzern ist nicht bewusst, dass sie bei einer Erneuerung des Außenputzes an älteren Häusern (vor Baujahr 1984) nach der gültigen EnEV gleichzeitig den Wärmeschutz der Fassade mit einer Dämmung verbessern müssen. Die EnEV schreibt hier einen U-Wert von 0,24 W/m²K für die Außenwand vor. Bei einer Förderung durch die KfW muss sogar ein U-Wert von 0,20 W/m²K erreicht werden. Sonderregelungen gelten für Gebäude unter Denkmalschutz, bei Sichtfachwerk oder wenn der Platz für eine Dämmung begrenzt ist. Vollkommen unverständlich ist eine folgenschwere Ausnahmeregelung, die bei der letzten Novellierung der EnEV aufgenommen wurde. Bleibt der alte Putz dran, darf die Dämmung auch geringer ausfallen, als von der EnEV gefordert. Ich hoffe sehr, dass dieses Schlupfloch baldmöglichst beseitigt wird.

 

Wie dick die Dämmung an der Fassade sein muss

Effizienzhaus-online: Wie stark soll oder muss eine Dämmung an der Fassade sein?

Herr Dötterer: Sollen die Anforderungen der EnEV erfüllt werden, dann hat beispielsweise eine Polystyrol-Dämmung eine Dicke von etwa 12 Zentimetern. Beantragt der Hausbesitzer günstige KfW-Fördermittel, dann sind die schärferen KfW-Vorgaben mit Dämmstärken von 14 bis 16 Zentimetern zu erfüllen. Bei diesen Dämmstärken ist natürlich auch die Frage zu klären, ob der Dachüberstand noch ausreichend ist oder ob er besser angepasst werden sollte.

 

Die Dämmstoffe bei der Fassadendämmung

Effizienzhaus-online: Welche Dämmstoffe kommen bei einer Fassadendämmung zum Einsatz?

Herr Dötterer: Am gebräuchlichsten und am preiswertesten war bisher eine Dämmung mit Styropor. Allerdings sehen viele Hausmodernisierer diesen Dämmstoff aufgrund der anhaltenden Diskussionen um Brandverhalten sowie Entsorgung zunehmend kritisch. Gängig als Dämmstoff an der Fassade ist Mineralwolle mit den beiden Untergruppen Steinwolle sowie Glaswolle. Mineralwolle ist diffusionsoffen und punktet zusätzlich bei den Kriterien Brandschutz sowie Lärmschutz. Ich empfehle meinen Kunden ökologisch nachhaltige Dämmstoffe, wie beispielsweise Holzweichfaserdämmplatten. Da ihre Dämmwerte etwas schlechter sind, wird die Dämmstärke mit 18 bis 20 Zentimetern etwas höher. Holzweichfaserplatten lassen sich später leicht kompostieren.

 

Welche Bauteile mitgedämmt werden

Effizienzhaus-online: Welche Bauteile müssen bei einer Fassadendämmung mitgedämmt werden?

Herr Dötterer: Der Sockel sollte mindestens bis 30 Zentimeter unter der Kellerdecke mitgedämmt werden, damit keine Wärmebrücke entsteht. Ebenfalls müssen die Fensterlaibungen mit gedämmt werden. Das wird leider oft vergessen. Dann sind Schwachstellen, an denen sich Schimmel bilden kann, vorprogrammiert.

 

Sind neue Fenster bei einer Fassadendämmung notwendig?

Effizienzhaus-online: Empfehlen sie neue Fenster im Rahmen einer Fassadendämmung?

Herr Dötterer: Grundsätzlich ja. Es macht einfach keinen Sinn, die Fenster erst später zu erneuern. Sonst müssen ja die ganzen Anschlüsse wieder neu gemacht werden. Gehen Fassadendämmung und neue Fenster Hand in Hand, dann können die Fenster auch gleich in die Dämmebene vorgesetzt werden. Der oft kritisierte „Schießscharteneffekt“, wenn Fenster durch die zusätzliche Dämmung zu tief in der Fassade sitzen, wird so vermieden. Umgekehrt ist es auch nicht sinnvoll, zuerst die Fenster zu erneuern, ohne die Fassade zu dämmen. Ist der neue Fensterrahmen besser gedämmt als das angrenzende Mauerwerk, entstehen Wärmebrücken. Dann kann sich in den kühleren Wandbereichen Feuchtigkeit niederschlagen und Schimmel bilden. Neue Fenster und neue Fassadendämmung in einem Arbeitsgang – das macht durchaus Sinn.

 

Fehler beim WDVS - mit Beispielen

Effizienzhaus-online: Welche typischen Fehler beim Anbringen eines WDVS kennen Sie aus Ihrer Praxis?

Herr Dötterer: Auf der Baustelle sehe ich immer wieder, dass Dämmplatten nicht vollflächig verklebt sind. Dahinter kann dann kalte Luft eindringen und so eine Kaminwirkung entstehen. Warme Luft trifft kalte Luft, das führt zu Schimmelbildung und die Dämmplatte kann sich sogar ganz ablösen. Ab einer Dämmstärke von 10 Zentimetern ist ein Kleben und Dübeln der Dämmplatten erforderlich. Hier müssen Spezialdübel verwendet werden, die vom Hersteller der Dämmplatten auch empfohlen sind. Ein Dämmpfropfen deckt heute den Dübel ab. Sonst können sich die Dübel an einer kalten, feuchten Fassade abzeichnen. Oft werden auch keine Brandriegel eingebaut, obwohl sie zur Verbesserung des Brandschutzes bei WDVS aus Styropor (EPS-Dämmstoffe) seit Anfang 2016 gesetzlich vorgeschrieben sind. Weitere Klassiker sind die Anschlüsse an Fenster und Türen, die nach den anerkannten Regeln und dem Stand der Technik auszuführen sind. Manche Handwerker sind hier einfach nicht auf dem neuesten Stand. Oft wird auch das Armierungsgewebe falsch angebracht. Es sollte im unteren Drittel des Grundputzes eingearbeitet sein und nicht, wie ich es des Öfteren leider sehe, nur leicht eingedrückt, obenauf liegen.

 

Als Hausbesitzer die fachgerechte Ausführung bestätigen lassen

Effizienzhaus-online: Kann sich ein Hausbesitzer die fachgerechte Durchführung vom ausführenden Handwerksbetrieb bestätigen lassen?

Herr Dötterer: Ja, mit der sogenannten Fachunternehmererklärung bestätigt der Handwerksbetrieb dem Hausmodernisierer, dass er die Fassadendämmung nach den gesetzlichen Vorgaben (EnEV) und/ oder den Vorgaben der KfW ausgeführt hat. Er bestätigt auch die Einhaltung des jeweils geforderten U-Wertes für die Außenwand. Die Fachunternehmererklärung ist notwendiger Bestandteil des Förderantrags. Um das Ausfüllen zu erleichtern, gibt es zu jedem Antrag eine Checkliste. Jeder Hausmodernisierer sollte auf diese Erklärung bestehen, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. Besser noch: Der Bauherr lässt sich diese Eigenschaften schon beim Vertragsabschluss zusichern.

 

Wann sollte der Energieberater auf der Baustelle sein?

Effizienzhaus-online: Wann sind Sie bei einer Fassadendämmung auf der Baustelle?

Herr Dötterer: Nachdem die Dämmplatten angebracht sind. Dann sehe ich, ob die Platten sauber aneinandergestoßen sind oder ob Fugen bestehen, was ja gerade nicht passieren sollte. Ich mache auch immer eine Thermografie-Aufnahme, um auch Fehler zu sehen, die ich mit dem bloßen Auge nicht erfassen kann. In diesem Stadium kann der Handwerksbetrieb bei Bedarf dann noch nachbessern, bevor der Putz aufgebracht wird.

 

Der Zusammenhang von Fassadendämmung und hydraulischem Abgleich

Effizienzhaus-online: Wie hängen Fassadendämmung und hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage zusammen?

Herr Dötterer: Durch die Dämmung der Fassade verbessert sich der Energieverbrauch eines Gebäudes deutlich. Ab einer Verbesserung von 25 Prozent ist der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage vorgeschrieben. Die Anlage ist ja noch mit ihrer Heizkurve auf das alte Gebäude ausgelegt. Durch einen hydraulischen Abgleich und eine optimale Einstellung auf die neuen Anforderungen lässt sich der Energieverbrauch weiter senken.

 

Ab wann ein Energieberater hinzugezogen werden sollte

Effizienzhaus-online: Ab welchem Stadium sollte bei einer Fassadendämmung ein Energieberater hinzugezogen werden?

Herr Dötterer: Am besten bei den ersten Überlegungen, die Fassade zu sanieren und dabei gleich zu dämmen. Der Energieberater berechnet die notwendige Dämmstärke und empfiehlt geeignete Dämmstoffe. Er unterstützt bei der Antragstellung für Fördermittel und er begleitet im besten Fall auch die Arbeiten, um die energetische Bauausführung zu überwachen. Die Baubegleitung wird von der KfW mit 50 Prozent der Kosten bezuschusst. Das BAFA bezuschusst eine Vor-Ort-Beratung zum Start einer Haussanierung. Das ist, im Vergleich zu den Gesamtkosten, richtig gut angelegtes Geld.

 

Fachbetriebe für die Fassadendämmung finden

Effizienzhaus-online: Wo findet ein Hausmodernisierer geeignete Fachbetriebe für eine Fassadendämmung?

Herr Dötterer: Ich empfehle, einen ausgewiesenen Fachbetrieb vor Ort zu beauftragen, einen Stuckateur-, Maler- oder Gipser-Meisterbetrieb. Auf alle Fälle keinen der Montagebetriebe, die übers Land ziehen und leider allzu oft verbrannte Erde hinterlassen. Entsprechende Adressen findet man in den Listen der Handwerkerinnungen oder auch auf effizienzhaus-online.

 

Hausbesitzer sollten sich im Vorfeld über Kosten und Einsparpotential informieren

Effizienzhaus-online: Kann sich ein Hausbesitzer vorab über Kosten und Einsparpotential informieren?

Herr Dötterer: Ja, natürlich nennt der Energieberater dem Hausbesitzer auch Kosten, Einsparpotential sowie Amortisationszeit bei einer Fassadendämmung. Einen ersten Überblick kann sich ein Hausmodernisierer mit wenigen Angaben zum eigenen Haus auch mit dem Sanierungsrechner auf effizienzhaus-online verschaffen.

 

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Quelle: Bosch Thermotechnik GmbH
Foto: Elénore H - Fotolia.com

 

   Unser Experte zum Thema Fassadendämmung:

Herr Dötterer

Wolf-Dieter Dötterer ist gelernter Zimmermann, Bauingenieur und Fachingenieur für Energieeffizienz. Im GIH e.V., der bundesweiten Interessenvertretung für Energieberater, ist er Vorstandsmitglied, ebenso wie im GIH-Landesverband Baden-Württemberg. In Bietigheim-Bissingen betreibt er das Büro Planen und Bauen.

 

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